30 000 Asylbewerber verschwunden? „Bild“ errechnet völligen Unsinn (3)

In der „Bild“-Zeitung ist heute so etwas wie eine Korrektur erschienen:

Ausriss Bild-Zeitung - In der Donnerstag-Ausgabe titelte Bild: 30000 abgelehnte Asylbewerber spurlos verschwunden. Um die Korrektheit der Schlagzeile entbrannte heftiger Streit. Richtig ist: Die 30000 Personen, über deren Verbleib die Behörden offenbar keine zentral erfassten, gesicherten Erkenntnisse haben, sind nicht allein abgelehnte Asylbewerber. Hier hatte Bild nicht korrekt formuliert. Es sind zum Teil auch andere Ausländer, die vollziehbar ausreisepflichtig sind, weil zum Beispiel ihr Visum abgelaufen ist und sie sich deshalb illegal in Deutschland aufhalten würden.

Immerhin etwas Einsicht.

Nur: Das stimmt in dieser Form nun auch nicht ganz, denn das Problem bei der großen „Bild“-Titelzeile von Donnerstag war letztlich nicht die Formulierung, sondern die Unfähigkeit, das Zahlenmaterial wenigstens ansatzweise zu verstehen, und die daraus resultierende falsche Rechnung. Dazu ist in dem Text von heute kein Wort zu finden. Stattdessen tut die Redaktion so, als hätte sie etwas Großes entdeckt, alles richtig verstanden, nur eben blöderweise „nicht korrekt“ formuliert:

BILD war auf die Zahl der rund 30 000 Personen gestoßen, weil das AZR [Ausländerzentralregister] (per Ende 2016) insgesamt 54 400 vollziehbar Ausreisepflichtige ausweist. Das Statistische Bundesamt führt zugleich rund 23 600 Personen, die staatliche Asyl-Leistungen erhalten.

Der Fehler, den „Bild“-Autorin Larissa Krüger gemacht hat: Diese beiden Zahlen zu verrechnen, die in dieser Form nicht zu verrechnen sind. Stattdessen hätte sie zum Beispiel die 28.000 vollziehbar ausreisepflichtigen Schutzsuchenden nehmen können, die das Statistische Bundesamt nennt. Übrig geblieben wären dann — statt 30.000 — rund 4400 Personen. Ob das für eine „Bild“-Titelgeschichte gereicht hätte?

Noch am Donnerstag hatte Bild.de darauf bestanden, dass an dem Bericht zu den vermeintlichen 30.000 verschwundenen ausreisepflichtigen Asylbewerbern nichts auszusetzen sei. Die Redaktion präsentierte sogar einen prominenten Fürsprecher mit einer angeblichen Bestätigung:

Screenshot Bild.de - Kanzleramtsminister Altmaier bestätigt Bild-Bericht - Niemand weiß, wie viele Asylsuchende abgetaucht sind

Die außergewöhnliche Logik dabei:

„Bild“ schreibt: Es sind 30.000.
Peter Altmaier sagt: Keine Ahnung, wie viele es sind.
Bild.de schreibt: Altmaier bestätigt „Bild“.

Was auch nicht unbedingt für die Fehlerkultur bei „Bild“ spricht: Über die, nun ja, Korrektur von heute hat die Redaktion natürlich nicht „Korrektur“ geschrieben, sondern:

Ausriss Bild-Zeitung - Das alles weiß das Bundesinnenministerium nicht über ausreisepflichtige Ausländer

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