Trumps temporärer Twitter-Tod, Podcast-Boom, AfD-Dilemma

1. Mathias Döpfner eröffnet „Dialog“ mit einer Lüge
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Mathias Döpfner, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, hat öffentlich-rechtliche Medien als „Staatspresse“ bezeichnet, will dies aber nicht so gesagt, geschweige denn gemeint haben. Stattdessen spricht er nun von einem „Konjunktiv-Szenario“, das böswillig missverstanden werde. Stefan Niggemeier hat die entsprechenden Textpassagen rausgesucht und kommt zu einem anderen Ergebnis: „Wer das sagt, ist nicht „böswillig“ und hat nichts „missverstanden“, sondern gibt Döpfners Position korrekt wieder. Seine Empörung darüber, dass man ihm das vorhält, ist Heuchelei. Und basiert auf einer Lüge.“

2. Servus TV in Österreich: Rise Like A Phoenix
(dwdl.de, Timo Neumeier)
Vor gar nicht langer Zeit sah es noch so aus, als würde der österreichische Fernsehsender „Servus TV“ dichtgemacht werden: Als Mitarbeiter des Senders einen Betriebsrat gründen wollten, sah Senderchef und „Red Bull“-Boss Mateschitz rot und kündigte die Schließung an. Eineinhalb Jahre später fährt der Sender Quotenrekorde in Österreich ein und zeigt erstmals eine eigenproduzierte Serie. („In „Trakehnerblut“ geht es um die junge Alexandra, die in Wien lebt und unerwartet Alleinerbin des Trakehner-Gestüts Hochstetten wird.“)

3. Ein neuer Player auf dem Podcast-Markt?
(deutschlandfunk.de, Sandro Schroeder & Brigitte Baetz, Audio, 5:10 Minuten)
„Amazon“-Tochter „Audible“ will auch vom Podcastboom profitieren und hat gestern gleich 22 neue Produktionen vorgestellt. Es sind jedoch keine klassischen Podcasts, denn statt über iTunes und Podcast-Apps sind die Folgen nur über „Audible“ abrufbar. Und dazu muss der Nutzer ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Der „Deutschlandfunk“ hat sich mit Sandro Schroeder, der auch den Podcast-Newsletter herausgibt, über den Vorstoß des Branchenriesen unterhalten.

4. Das AfD-Dilemma
(journalist-magazin.de, Michael Kraske)
Nach dem Einzug der AfD in den Bundestag wird immer noch über die Frage gestritten, ob die Medien mitgeholfen haben, die Partei groß zu machen. Der Journalist und Autor Michael Kraske ist dieser Frage in einem längeren Lesestück nachgegangen. Einen Königsweg sieht Kraske nicht, wohl aber sinnvolle Korrekturen: „Guter Journalismus über die AfD hat wie sonst auch unbequem zu sein, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten. Vielleicht ist das im Zeitalter des weltweiten Rechtsrucks thematisch die wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe: mit Berichten, Reportagen und Kommentaren zu zeigen, dass Rassismus und völkischer Nationalismus eben nicht normal sind. Dass sie keine Probleme lösen, sondern furchtbare neue schaffen, die altbekannt sind.“

5. Hallo, wir sind auch da
(taz.de, Daniel Bouhs)
„Buzzfeed Deutschland“ will sich im Nachrichtenbereich etablieren und hat dazu ein eigenes News-Team aufgebaut. Nun hat man sich nach dem Mitgründer des gemeinnützigen Recherchebüros „Correctiv“ Daniel Drepper auch Marcus Engert an Bord geholt, den Co-Gründer des Onlineradios detektor.fm. Daniel Bouhs hat die Personalie eingeordnet. Dabei geht es auch um die Ausrichtung des Portals und mögliche Allianzen.

6. Trump Twitter account shut down by employee on last day of work
(theguardian.com, Olivia Solon)
Ein Twitter-Mitarbeiter hat an seinem letzten Arbeitstag offenbar kurz vor dem Löschen des Bürolichts auch den Twitter-Account von Donald Trump ausgeknipst. Es hat elf Minuten gedauert, bis die Alarmglocken angingen und das Konto wieder hergestellt wurde. (Manche bezeichnen diese Minuten als die schönsten der bereits Monate andauernden Amtszeit Trumps.)