Gefährliches Raunen, Grausame Bilder, Techniker nicht informiert

1. Das gefährliche Raunen
(zeit.de, Bernhard Pörksen)
Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Auf „Zeit Online“ macht er sich Gedanken über die zunehmende Polarisierung und einen sich über den Medien ausbreitenden Generalverdacht: „Medienkritik und Medienskepsis machen, gerade in einer Zeit, in der Falschmeldungen durch die sozialen Netzwerke wirbeln und Desinformation mächtiger wird, idealerweise alle Beteiligten ein Stück mündiger, klüger und wacher. Aber gegenwärtig werden die Debatten über Gegenwart und Zukunft von ARD und ZDF und des Journalismus zunehmend zu ideologischen Grabenkämpfen und zum Spielfeld für populistische Forderungen; dies eben nicht, wie traditionell üblich und historisch erwartbar, am äußersten rechten oder linken Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft.“

2. Nach der Böhmermann-Wutrede: Warum der digitale Boulevard von Bento, Watson, Vice & Co. besser ist als sein Ruf
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Anlässlich Jan Böhmermanns vernichtendem „Bento“-Verriss von letzter Woche stellt Stefan Winterbauer auf „Meedia“ die Frage, was von den jungen, auf Unterhaltung getrimmten Websites wie „Bento“, „Buzzfeed“, „Noizz“, „Watson“ oder „Vice“ zu halten sei. Winterbauer sieht sowohl Kritikpunkte als auch Lobenswertes und spricht sich fürs Differenzieren aus: „Womit manche Kritiker offenbar nicht klarkommen ist, dass in der Welt der reinen Digitalmedien beides nebeneinander existiert: das haarsträubend Banale und das werthaltig Intelligente.“

3. Welche Bilder soll die Tagesschau zeigen?
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
„ARD aktuell“-Chef Kai Gniffke legt im Blog der „Tagesschau“ dar, wie schwierig die Dokumentation von menschlichem Leid sei. Konkreter Anlass sind Bilder von unterernährten Kindern, die in einem „Tagesthemen“-Bericht über die Hungersnot in Syrien zu sehen waren. Bilder, auf deren Ausstrahlung man seiner Meinung nach hätte verzichten sollen: „Für mein Gefühl (ich sage ausdrücklich Gefühl) war dieses Bild zu grausam. Heute wissen wir, dass das unterernährte Kind gestorben ist. Deshalb finde ich heute — und hinterher ist man immer schlauer — dass wir dieses Bild auch bei Facebook nicht hätten posten sollen.“

4. Medien-Oligopole im Griff der “Colonels”
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ hat einen interessanten Hintergrundbericht über die brasilianische Medienlandschaft veröffentlicht. Dort hätten einige Großgrundbesitzer-Dynastien (die sogenannten „Colonels“) ihre Macht längst auch auf die Medien ausgeweitet. Dem Bericht liegt eine viermonatige Recherche im Rahmen des weltweiten Projekts „Media Ownership Monitor“ von „Reporter ohne Grenzen“ und der brasilianischen Nichtregierungsorganisation „Intervozes“ zugrunde.

5. Hello, world: this is WikiTribune
(beta.wikitribune.com, Jimmy Wales)
„Hello, world“ lauteten die ersten Worte von Jimmy Wales auf der von ihm im Jahr 2001 gegründeten Plattform „Wikipedia“. Sechzehn Jahre später folgt von Wales ein „Hello, world: this is WikiTribune“. In seinem Begrüßungspost erklärt er das neue Vorhaben: „My goals are pretty easy to understand, but grand in scope (more fun that way, eh?): to build a global, multilingual, high quality, neutral news service.“

6. „Techniker ist informiert“: Hinter der viralsten Tür Deutschlands steckt eine große Lüge
(motherboard.vice.com, Dennis Kogel)
Vor drei Jahren ging an der Uni Mainz eine Tür kaputt, was ungeahnte Folgen hatte: Der unscheinbarer Zettel mit der Botschaft „Defekt — Techniker ist informiert“ löste eine Meme-Welle sondergleichen aus. Dennis Kogel hat dem Vorgang nochmal hinterher recherchiert und dabei einige interessante Dinge festgestellt.