Alpen-Breitbart?, Staatsfunk-Framing, Medialer AfD-Kater

1. „Breitbart“ aus den Alpen?
(sueddeutsche.de, Peter Münch)
Der österreichische Ochsengalle-Brause-Hersteller („Red Bull“) und Milliardär Dietrich Mateschitz hat sein lange erwartetes Internet-Portal „Addendum“ gestartet. Dahinter steht ein auf 40 Mitarbeiter angewachsenes Team, das vom ehemaligen Chefredakteur der konservativen Tageszeitung „Die Presse“ und „Servus TV“-Moderator Michael Fleischhacker geleitet wird. Eine Bewertung der Seite, die im Vorfeld als „Alpen-Breitbart“ bespöttelt wurde, lasse der Anfang noch nicht zu, so Peter Münch auf „sz.de“. Zumindest die Schwerpunkte sind klar: Es geht derzeit vor allem um die Themen Asyl, Asyl und Asyl.

2. „Über Taten berichten – nicht über Worte“
(spiegel.de, Francesco Giammarco)
Der „Spiegel“ hat mit Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, über das schwierige Spannungsfeld der AfD-Berichterstattung gesprochen. Löwisch plädiert für mehr Nüchternheit und findet für die Taktik der AfD einen biblischen Vergleich: „Sie selbst stilisieren sich zum David. Wenn sie den Goliath so piesacken können, dass er vor Wut und Entsetzen aufheult und sich empört, dann sind sie in den Augen ihrer Anhänger die Helden, egal wie abscheulich ihre Sprüche objektiv sind. Und je länger sie das auskosten können, von Talkshow zu Schlagzeile zu Talkshow, desto besser. So funktioniert Populismus.“
Weiterer Lesetipp: Jürn Kruse in der „taz“ mit Medienschelte nach AfD-Erfolg: Frustabbau-Tradition

3. „Staatsfunk“ – ein organisierter Etikettenschwindel per Framing
(udostiehl.wordpress.com)
Denken Sie beim Begriff „Staatsfunk“ an Nordkorea, erscheinen Ihnen Bilder von AfD-Politikern und Pegida-Demonstranten oder hören Sie die Stimme von Zeitungsverlegerchef Mathias Döpfner? Udo Stiehl schreibt über die gefährliche Umetikettierung des Begriffs, wie man sie auch beim Ausdruck „Staatspresse“ erleben kann. Stiehl rät dazu, derartige Begriffe zu meiden und hat einen Tipp für all diejenigen, denen die sachliche Formulierung „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ zu lang ist: „Mit „ÖR“ sind es nur noch zwei Zeichen. Das reicht im Zweifel auch schon, um solchen Begriffskaperungen keinen Vorschub mehr zu leisten.“

4. Der Aufstieg der AfD – Sind die Medien schuld?
(wdr.de, Georg Restle)
Sind die Medien am Aufstieg der AfD Schuld wie in den vergangenen Tagen diskutiert wird? Ein seltsames Schwarzer-Peter-Spiel sei es, das da vor allem von Politikern und Politikerinnen der ehemals Großen Koalition gespielt werde, findet Georg Restle: „Wer so argumentiert irrt mehrfach: Erstens gibt es DIE Medien nicht. Zweitens lässt sich die Dynamik rechts-nationalistischer Bewegungen und Parteien weltweit beobachten, völlig unabhängig von der jeweiligen Medienlandschaft. Und drittens verbietet sich ein solches Argument, jedenfalls soweit es die Unterschlagung einer gesellschaftlichen Realität nahelegt.“

5. bigFM: Die LFK, die Wahrheit und der Unterschied zwischen Information und Unterhaltung
(fair-radio.net, Mario Köhne)
Das Radio-Watchblog „Fair Radio“ deckte vor einigen Wochen einen Schwindel des privaten Radiosenders „bigFM“ auf. Der Sender hatte mit einer frei erfundenen Story eine neue Nachrichtenfrau vorgestellt. „Fair Radio“ hatte daraufhin Beschwerde bei der Landesmedienanstalt eingereicht. Diese sieht jedoch keinen Grund für Konsequenzen: „Zwar kann man kritisieren, dass bigFM nicht innerhalb der Sendung auflöste, dass es sich um eine Aktion zur Einführung der neuen Nachrichtensprecherin handelt und damit spielt, dass einige Hörer nicht erkennen, dass es sich um eine gestellte/fingierte Aktion handelt, dies stellt allerdings keinen medienrechtlichen Verstoß dar.“

6. Die Salamander-auf-Moos-Koalition
(uebermedien.de, Mats Schönauer & Yannick von Eisenhart Rothe)
Früher bezeichneten Journalisten eine schwarz-grün-gelbe Koalition als „Schwampel“, mittlerweile hat sich der Begriff „Jamaika-Koalition“ durchgesetzt. Auch, weil man damit viele Wortspiele und lustige Bildmontagen machen kann. Mats Schönauer und Yannick von Eisenhart Rothe zeigen auf „Übermedien“, welche Blüten der Jamaika-Wahnsinn hervorbringt.