Vermessen, Eingebettet, Gefeuert

1. Wie Bewertungskultur und Datenanalyse den Journalismus radikal verändern
(michaelmartiblog.tumblr.com)
Michael Mart (stellv. Chefredakteur und Leiter Digital des Schweizer „Tages-Anzeiger“) hat einen lesenswerten Beitrag über die „Vermessung des Journalismus“ vorgelegt. Er erklärt wie die Branche derzeit arbeitet. Über das Messen der Reichweite hinaus geschehe dies zum Beispiel über den „Artikel-Score“. Dieser berücksichtige neben den Seitenaufrufen Werte wie Verweildauer, Anteil Social-Media-Traffic oder Anzahl der Shares. Die neue Bewertungskultur führe nicht nur zum gläsernen Leser, sondern auch zum gläsernen Journalisten. Der Artikel schließt mit einer Erkenntnis aus dem Abo-Journalismus: Besonders erfolgreich seien Service-Geschichten mit einem direkten Nutzen, aber auch lebensnahe Geschichten, die „Learnings“ anbieten.

2. Journalisten im Dienst der «nationalen Sicherheit»
(infosperber.ch, Roman Berger)
Roman Berger war Washington-Korrespondent des „Tages Anzeiger“ und hat in seiner aktiven Zeit auch den Chef-Militärkorrespondent der „New York Times“ Michael Gordon kennengelernt. Gordon, der in wenigen Wochen pensioniert wird, gelte als Prototyp des „eingebetteten Journalismus“ mit all seinen negativen Folgen. Nach Ansicht von Berger habe der Fall Gordon sogar Zweifel an der unabhängigen Berichterstattung der „NYT“ geweckt. Berger arbeitet die Vorgänge nochmal auf und benennt die Versäumnisse.

3. Der Sultan, der das Hassen lehrt
(sueddeutsche.de, Selim Aydin)
Das türkische Staatsfernsehen „TRT“ stehe schon seit Langem in der Kritik, ein Sprachrohr der Regierung zu sein, so Selim Aydin auf „sueddeutsche.de“. Mit opulenten Serien und fragwürdigen Talkshows glorifiziere der Staatssender die Nation – und inszeniere Recep Tayyip Erdogan als historischen Führer. Auch die „taz“ beschäftigt sich mit dem Thema der instrumentalisierten historischen Serien. In Erdogans Lieblingsserie heißt es dazu: „Dass derartige historische Serien gut ankommen, könnte damit zusammenhängen, dass viele Türken sich bis heute nicht wirklich mit der Republik Atatürks anfreunden können. Die Serien spiegeln den sehnsüchtigen Wunsch, in glorreiche osmanische Zeiten zurückzukehren. Es ist der wunde Punkt des nationalistisch-konservativen Teils der türkischen Bevölkerung.“

4. Nichts brennt kälter als ein Hack
(zeit.de, Eike Kühl)
Der US-Kabelsender „HBO“ wurde Opfer eines Hackerangriffs. Teil der digitalen Beute: Bislang unveröffentlichte Folgen der Erfolgsserie „Game of Thrones“ und angeblich das nächste Drehbuch. Erste Inhalte seien bereits im Internet aufgetaucht. Insgesamt haben die Täter 1,5 Terabyte Daten kopiert.

5. Hier steht, wer alles doof ist
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Margarete Stokowski hält nichts von der Antifeministen-Personen-Datenbank der grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung: „Es macht verdammt viel Sinn, antifeministische Strategien und Argumentationen zu sammeln und Leuten zu erklären, was daran wie und warum falsch ist, auch weil bestimmte Positionen sich immer wieder als emanzipatorisch verkaufen wollen (die AfD hat zum Beispiel Plakate, auf denen steht, „Die Freiheit der Frau ist nicht verhandelbar“). Aber es ist mehr als schlechter Stil, das anhand von Personenlisten zu tun.“

6. Gebt mir zehn Tage!
(faz.net, Axel Weidemann)
Ganze zehn Tage war Anthony Scaramucci Kommunikationschef von Donald Trump bis dieser ihn feuerte. Axel Weidemann hat eine Chronologie dieser zehn Tage verfasst. Es ist eine Chronologie der Pöbeleien und Fettnäpfchen.