Yücels Wünsche, Anti-Troll, Bestsellerlisten-Löschaktion

1. Türkei-Korrespondent müsste man jetzt sein…
(welt.de, Deniz Yücel)
Der Türkei-Korrespondent der „Welt“ Deniz Yücel befindet sich seit März 2017 in Einzelhaft. Seinen Anwälten hat er diktiert, was man so alles zum Thema Türkei schreiben müsste. Und das ist eine ziemliche Menge… Yücels Schlusssätze: „Als Journalist könnte ich mir in diesen Tagen keine interessantere und als Bürger dieses Landes keine sinnvollere Aufgabe vorstellen als diese. Ich sag’s ja: Türkei-Korrespondent müsste man jetzt sein. Journalismus ist schließlich kein Verbrechen.“

2. Der Anti-Troll
(spiegel.de, Carline Mohr)
Carline Mohr stellt den Kommentierer „ekkwolf“ vor. Dahinter steckt der 74-jährige Wolf Ekkehard Melzer, ein Überzeugungstäter, der den „Lügenpresse“-Rufern widersprechen will und ein „Anti-Troll“. Er kommentiere unter den Artikeln klassischer Medien wie „Sueddeutsche.de“, „spiegel.de“, „nzz.ch“, „Zeit.de“ und auf sogenannten alternativen Nachrichtenseiten, wie „Tichys Einblick“, „Sputnik“ oder „Epoch Times“. In den letzten zweieinhalb Jahren über 6.000 mal. Wer ist dieser Mensch und was treibt ihn an?

3. Der rechte, rechte Platz ist frei: „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Ein Mitarbeiter des „Spiegel“ hievt als Mitglied einer Jury ein rechtslastiges Buch trickreich auf eine Bestenliste. Die Sache fliegt auf, der Juror tritt zurück, das umstrittene Buch wird jedoch zum Bestseller. Nun wurde es im Stil einer heimlichen Löschaktion kommentarlos von der Bestsellerliste gestrichen. Mats Schönauer kommentiert den Vorgang, den er „beachtlich“ nennt: „Hätte der „Spiegel“ das Buch wenigstens transparent entfernt, wäre ihm Kritik aus der rechten Ecke gewiss gewesen, doch zumindest hätte er sich in vielen anderen Ecken Glaubwürdigkeit bewahrt. So aber untergräbt er diese nicht nur selbst, sondern gießt auch weiteres Öl ins „Lügenpresse“-Feuer — und verschafft dem Buch einmal mehr Aufmerksamkeit.“

4. Korruption im Journalismus?
(message-online.com, Volker Lilienthal)
„Message“, die „Internationale Zeitschrift für Journalismus“ veröffentlicht eine Rede von Journalismus-Professor Volker Lilienthal über Korruption im Journalismus. Die Rede wurde zwar bereits zu Beginn des Jahres gehalten, hat ihre Aktualität jedoch nicht eingebüßt. Lilienthal versucht sich zunächst an einer Anamnese und stellt Ergebnisse einer Journalistenbefragung vor. Zum Schluss seines Vortrags schlägt er einen Katalog mit konkreten Maßnahmen zur Korruptionsprophylaxe vor.

5. Sag die Wahrheit
(sueddeutsche.de, Kathrin Hollmer)
Faktenchecken sei im Wahljahr ein Modethema, schreibt Kathrin Hollmer in ihrer Einleitung und kommt gleich auf die jüngste Faktenchecker-Plattform zu sprechen. Die heißt „Stimmtdas“ und überprüft mit einem Team von 15 Mitarbeitern Aussagen von Politikern. Die Seite wolle den Betreibern zufolge über die Bundestagswahl hinaus langfristig arbeiten. Bisher prüfte „Stimmtdas.org“ sieben Aussagen von Angela Merkel, Cem Özdemir, Katrin Göring-Eckardt, Frauke Petry, Gregor Gysi und zwei von Alice Weidel. Zwei bis drei Statements sollen in Zukunft pro Woche folgen.

6. Instagramming für Faule
(zeit.de, Eike Kühl)
Sie wollen der Held der Landschaftsfotografie auf Instagram werden? Dann sollten sie sich anschauen, was zwei Google-Forscher gemacht haben. Statt aufwändig an entfernte Orte der Erde zu reisen und dort auf den richtigen Moment zum Drücken des Auslösers zu warten, haben sie Bilder aus Googles Street View ihren Algorithmen zum Fraß vorgeworfen. Die Ergebnisse seien so gut geworden, dass selbst professionelle Fotografen keinen Unterschied festgestellt hätten.