Fordert Heiko Maas wirklich „Rock gegen Links“?


(morgenpost.de)


(„Huffington Post“)

(n-tv.de)

(jungefreiheit.de)

(Welt.de)

(Bild.de)

Die angebliche Aussage von Justizminister Heiko Maas zu einem möglichen Konzert unter dem Motto „Rock gegen Links“, die viele Medien aufgegriffen haben, schlägt vor allem in den Sozialen Netzwerken ziemlich hohe Wellen. Nun ist es angesichts früherer Erfahrungen mit Rockkonzerten, die sich bewusst gegen „links“ oder auch gegen den Kommunismus positioniert haben und die bis heute in der neonazistischen Szene als tolle Feste gesehen werden, vielleicht nicht die beste Idee von „Rock gegen Links“ zu sprechen. Und auch dass die rechtsextreme Band „Freikoprs“ vor vielen Jahren einen Song mit dem Namen „Rock Gegen Links“ veröffentlicht hat, macht Maas‘ vermeintliche Wortwahl nicht besser.

Aber hat Heiko Maas tatsächlich so etwas wie ein „Rock gegen Links“-Konzert gefordert?

Der Ursprung dieser ganzen Geschichte liegt bei Bild.de. In dem dortigen Talk-Format „Die richtigen Fragen“ interviewten heute morgen das Moderatoren-Duo Anna von Bayern und Ali Aslan sowie „Bild“-Politik-Chef Nikolaus Blome Bundesjustizminister Maas. Blome fragte mit Bezug auf die Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg:

Eine Frage, wenn ich noch darf. Nach solchen Schandtaten, nach solchen Gewaltausbrüchen, wenn sie von rechtsextremistischer Seite kommen, und das hat es ja oft genug gegeben, sammelt sich so eine gesellschaftliche Gruppe, oftmals Künstler, Sänger, und veranstalten so was wie „Rock gegen rechts“. Sie haben da, glaube ich, auch schon mal einschlägige Erfahrungen gesammelt beim Belobigen einer solchen Veranstaltung. Also, „Rock gegen rechts“ gibt’s. Warum gibt’s kein „Rock gegen Links“?

Heiko Maas antwortete darauf:

Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil Sie, das muss man die fragen, die sowas organisieren. Aber ich glaube, dass es niemanden in unserer Gesellschaft gibt, und zwar in allen gesellschaftlichen Gruppen, die das akzeptieren, was in Hamburg geschehen ist. Und ich will auch gar nicht ausschließen, dass das eine gesellschaftliche Reaktion hervorruft. Und ich würde mir auch wünschen, dass jegliche Form von politischem Exptremismus, der dann umschlägt in sinnlose Gewalt, in Straftaten, bis hinzu zum versuchtem Mord, nicht ohne gesellschaftliche Reaktion bleibt. Wir sind viel zu lange

Maas konnte den Satz nicht mehr zu Ende führen, weil Anna von Bayern ihm ins Wort fiel:

Also Sie wünschen sich ein „Rock gegen Links“?

Maas‘ Antwort:

Ja, ein „Rock gegen Links“ oder was auch immer. Das werden diejenigen entscheiden müssen, die so etwas auf die Beine stellen. Aber so was kann doch nicht ohne gesellschaftliche Reaktion bleiben. Wir sind viel zu oft die schweigende Mehrheit, die ein tolerantes und respektvolles Land will, aber die dann auch glaubt, dass es reicht, die schweigende Mehrheit zu sein. Und das reicht eben nicht mehr, wie wir permanent sehen.

Das ist alles, was Heiko Maas zum Thema „Rock gegen Links“ gesagt hat: „Das kann ich Ihnen nicht sagen“ und ein leicht unwirsches „Ja, ein ‚Rock gegen Links‘ oder was auch immer. Das werden diejenigen entscheiden müssen, die so etwas auf die Beine stellen.“ Er schloss ein „Rock gegen Links“-Konzert also nicht aus — die Idee dafür stammt aber nicht von Maas, sondern von Nikolaus Blome. Und auch die Formulierung „Rock gegen Links“, die gerne von Neonazis gebraucht wird, stammt von Nikolaus Blome.

Diese Details interessieren Nikolaus Blome aber nicht. Er, der eigentlich sehr genau wissen müsste, wie das Gespräch mit Heiko Maas abgelaufen ist, twitterte heute Mittag:

Bei CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der übrigens auch die Lüge der Polizeigewerkschaft DPolG über die „Tagesschau“-Berichterstattung zu den G20-Ausschreitungen glaubte und bei Twitter verbreitete, war Heiko Maas dann schon derjenige, der „Rock gegen Links“ vorgeschlagen hat:

„Bild“-Redakteure haben eine Idee. Sie fragen einen Politiker, was er davon hält. Dieser stimmt nicht explizit zu oder fordert etwas anderes. „Bild“ und Bild.de schreiben trotzdem, dass der Politiker die Idee toll finde. Und politische Konkurrenten stimmen mit ein. Dieses Vorgehen ist nichts Neues bei den „Bild“-Medien. Ganz ähnlich haben sie schon mal dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour die Forderung in den Mund gelegt, dass Christen „im Weihnachts-Gottesdienst muslimische Lieder singen“ sollen.