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Ein Gastbeitrag von Micky Beisenherz

Berlin. Vor einem angesagten Szeneladen steht der wohl hipste Reporter einer großen deutschen Boulevardzeitung mit Sonnenbrille und telefoniert. Man kennt den Mann vornehmlich, weil er gerne Selfies mit Truppenhelm aus Kriegsgebieten schießt.

Telefonierend geht er in die Lobby, gerade so laut, dass die anderen Zeugen seiner Bedeutung werden.
Wir stehen bereits wiesenhofhuhnartig in einem dicht gedrängten Fahrstuhl, der zur Dachterrasse fahren soll.
Plötzlich quetscht sich besagter Snapchat-Wickert noch mit rein, panikt am Telefon irgendetwas von „Embassy“.
Es geht um Leben und Tod.
Am anderen Ende der Leitung.

Oben auf dem Dach warten House, Narzissmus und gegrillter Oktopus in Badehose. Wir warten. Die Fahrstuhltür verweigert die Schließung, da wir seit seinem Zusteigen Überlast haben.
Er selbst, immer noch telefonisch mit der Weltenrettung, zumindest aber Renate Wallerts Erben beschäftigt, kommt natürlich nicht auf den Gedanken, wieder auszusteigen.

Nach lähmenden Sekunden entnervten Schweigens erbarmt sich jemand anderes und verlässt kopfschüttelnd den Lift.
Der Reporter, qua Beruf darauf geeicht, immer genau hinzusehen, beendet sein Telefonat und steht dekorativ vor sich hin.

Wo er ist, ist die Krisenregion.

Dieser Text erschien auf der Facebookseite vom Micky Beisenherz.