Bild des Jammers

Moment mal. „Bild“ schafft es also nicht, auf Fotos amerikanische von deutschen Armee-Uniformen zu unterscheiden, deutsche von slowakischen Fans, einen Rosinenbomber von einer JU-52, eine deutsche Dogge von einem Dobermann, Köln von Berlin etc. etc. Und „Bild“ überprüft bei angebotenen Fotos nicht, wann und wie sie entstanden sind. Aber „Bild“ kann aufgrund eines einzigen Schnappschusses von einem vorbeigetragenen Yorkshire Terrier (siehe Ausriss unten) diagnostizieren, dass sein Fell stumpf ist, sein Blick müde, seine Zunge hängend, und daraus eine fast halbseitige Geschichte machen: „Große Sorge um DAISY„?

Ja, das kann „Bild“.

„Ein Bild des Jammers“ habe die zwölfjährige „Hundedame“ des ermordeten Rudolph Moshammer geboten. Die Foto-Unterschrift lautet:

Erwischt! Daisy hängt wie ein Schluck Wasser in der schwarzen Tasche. Müder Blick, zerzauste Haare.

Und „Bild“ fragt: „Kann sie Mosi nicht vergessen?“

Wir lassen diese Frage unbeantwortet und stellen stattdessen diese: Warum nur lassen sich andere Medien wie „Focus Online“ oder das „Oberbayerische Volksblatt“ nicht davon abhalten, eine offensichtlich freie Improvisation auf Grundlage eines beliebigen Hundefotos mit einer Nachricht zu verwechseln und weiter zu verbreiten?