Nido  

„Nido“ lacht so richtig gern mit Kindern über Dicke

Es gibt Dinge, die man unternehmen kann und die einem dann auch Spaß machen können. Aber „erst so richtig Spaß machen“ sie, wenn man sie mit Kindern unternimmt. Meint die Redaktion des Elternhefts „Nido“ zumindest in ihrer aktuellen Ausgabe:

Da wäre zum Beispiel „Ketchup essen“ oder „Zöpfe flechten“ oder „Rutschen“. Oder:

Genau, wer macht das nicht gern: Mal so richtig schön mit den Kindern eine Runde ablästern? Über Dicke zum Beispiel.

Lästern hat einen schlechten Ruf. Macht mit dem Kind aber trotzdem Spaß. Und verbindet. Neulich stehe ich mit meiner Tochter in der Apotheke, neben uns eine sehr korpulente Frau. Wir sehen uns an, grinsen und reden danach minutenlang darüber, dass sie sehr, sehr dick war. Und dass wir froh sind, keine Dicken zu sein.

Da kann man auch nur froh sein. Denn sonst stehen beim nächsten Besuch in der Apotheke noch Vater und Tochter neben einem und … nun ja, lassen wir das.

Der „Nido“-Vater-Tochter-Tipp stammt von einem anonymen Autor, der zwar weiß, dass das mit dem Lästern ja schon schlimm ist, wegen der „Menschenwürde und so“, aber irgendwie auch doch nicht:

Zusammen lästern ist super. Ich weiß schon, das macht man nicht, verletzt die Menschenwürde und so. Aber das stimmt nicht. Die anderen Menschen sind ja nicht dabei. Die Wahrheit ist, dass es das Band zwischen meiner Tochter und mir stärkt. Ich glaube, jede gute Beziehung braucht einen gemeinsamen Feind. (…) Lästern wir zusammen, dann sind wir ein Stamm, und das ist mehr als eine Familie, weil es irgendwie tiefer geht. Wir grenzen uns schließlich ab.

Und wenn der „gemeinsame Feind“, gegen den man sich abgrenzen kann, dann Deutschlands Dicke sind, ist das doch toll. Die findet man schließlich überall. Zum Beispiel auf dem Schulhof, wo man zusammen mit seinen Freundinnen das Mädchen aus der Parallelklasse so richtig schön hänseln kann, weil es ja, grinsgrins, „sehr, sehr dick“ ist.

Klar kann man jetzt sagen, dass das alles vielleicht auch ein bisschen witzig gemeint ist und dass alle Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind ein mobbendes, sich abgrenzendes Arschloch mit vielen Feindbildern wird, den Tipp schon nicht befolgen werden. Aber man kann das auch richtig daneben finden, wie die Twitter-Userin @Okaybritta, die gestern bei „Nido“ nachfragte: „Echt jetzt? Bodyshaming? Ihr? 2017?“

Die „Nido“-Redaktion hat inzwischen geantwortet:

Bodyshaming? „Nicht mit uns!“ Abgrenzung? „Igitt!“ Einen Text drucken, der Bodyshaming und Abgrenzung bejubelt, und Über-Dicke-lästern zu den „33 Dingen“ zählen, „die mit Kindern erst so richtig Spaß machen“? Klar, „ganz einfach, weil es ehrlich ist.“ Dieses „Wir sind doch nur ehrlich!“ ist auch nicht mehr weit entfernt vom notorischen „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“