Satire-Sprachrohr, Vergoldete Kamera, Kimperator-Notizen

1. Erdogan bezeichnet Deniz Yücel als Terror-Helfer
(faz.net)
Die jüngsten Äußerungen des türkischen Präsidenten Erdogan über den inhaftierten „Welt“-Journalist Deniz Yücel lassen Schlimmes befürchten. Jedenfalls ist die Hoffnung auf eine baldige Freilassung Yücels erstmal in weite Ferne gerückt. Yücel sei ein Terror-Helfer und werde vor Gericht gestellt: „Gott sei Dank ist er festgenommen worden.“

2. Entschieden für die Kekse
(taz.de, Morgane Llanque)
Seit 2015 moderiert Trevor Noah die amerikanische „Daily Show“, eine erfolgreiche Satiresendung. Anlässlich des Erscheinens von Noahs Biographie erklärt „taz“-Autorin Morgane Llanque, warum die Sendung auch als eine Art Sprachrohr der Linken betrachtet werden kann: „Das Format ist das Vorbild der „heute-show“, doch die deutschen Komiker wie Oliver Welke oder auch Jan Böhmermann sind gegen die US-amerikanische Politsatire bloß leicht verdauliche Kopien. Die Originale sind nicht nur wesentlich scharfzüngiger und investigativer, sie beeinflussen auch in viel größerem Maße die politische Meinung der US-amerikanischen Linken. Fast mehr als die nicht satirischen Medien, sagen kritische Stimmen. Bei einer Befragung im Jahr 2010 gaben immerhin 10 Prozent der „Daily Show“-Zuschauer an, sie sähen die Sendung wegen der Nachrichten.“

3. Wenn das öffentliche Interesse schwerer wiegt
(faz.net, Reiner Burger)
Staatliche oder kommunale (bzw. teilstaatliche/teilkommunale) Unternehmen lassen Journalisten bei Rechercheanfragen gerne mal abblitzen und verweigern die Antwort. Damit ist nun Schluss wie der BGH in der Causa „Gelsenwasser“ befand: „Dem vom Kläger verfolgten Informationsinteresse kommt ein größeres Gewicht als dem Interesse der Beklagten und der betroffenen Dienstleistungsunternehmen an der Geheimhaltung der Vertragskonditionen zu. Im Hinblick auf die sachgerechte Verwendung öffentlicher Mittel und die politischen Aktivitäten eines kommunal beherrschten Unternehmens besteht ein gewichtiges öffentliches Informationsinteresse.“

4. „Goldene Kamera“ ist Hamburg und dem ZDF einen Preis wert
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Nach der letzten Übertragung der Fremdschäm- und Peinlichkeitsgala „Die Goldene Kamera“ (samt Ryan-Gosling-Prank) haben Sie gedacht, es könne nicht schlimmer werden? Dann lesen Sie, was Boris Rosenkranz herausgefunden hat: Die veranstaltende Funke-Mediengruppe kassiert von der Stadt Hamburg je ausgestrahlter Werbe-Revue 150.000 Euro, entnommen aus den Mitteln der Kulturtaxe.

5. Speed Watching ist das neue Binge Watching
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Fernsehserien können regelrecht süchtig machen und so konsumieren manche Fans ihre Lieblingsserien per Bingewatching und schlingen ihre Serie gleich staffelweise herunter. Nun sollen sich Hardcore-Seriengucker in den USA auf „Speedwatching“ verlegt haben und spielen die Videos zum Beispiel in der 1,25-fachen Geschwindigkeit ab. Julian Dörr merkt dazu kritisch an: „Serienschauen stand einmal für Entschleunigung, für die Verlangsamung des Alltags. Wider das neoliberale Effizienzdenken. Für die Ausschweifung und das Laissez-faire. Verschwende deine Zeit. Wer ewig lange Serien schaut, der ist nicht produktiv. Steckte in der Völlerei des „Binge Watching“ noch der rebellische Akt der Maß-, Ziel- und Regellosigkeit, ist der „Speed Watcher“ nichts anderes als ein systemkonformer Selbstoptimierer.“

6. Why is Kim Jong-un always surrounded by people taking notes?
(bbc.com, englisch)
Die nordkoreanische Nachrichtenagentur „KCNA“ hat Dutzende von Fotos von Diktator Kim Jong-un an den unterschiedlichsten Orten herausgegeben, die allesamt etwas gemeinsam haben: Der Kimperator ist umgeben von Offiziellen und Generälen, die eifrig in ihre (identischen) Notizbücher schreiben. Wieso, weshalb, warum?