„Bild“ entdeckt den Treibhauseffekt

Gestern war es wieder so weit. Auf der Titelseite von „Bild“ ging turnusmäßig die Welt unter:

Klügster Mensch der Welt prophezeit: So geht unsere Erde unter

Der Artikel beginnt mit den Worten:

Die Erde wird so glutheiß enden wie unser Nachbarplanet Venus — die furchtbare Vorhersage des klügsten Physikers der Welt.

Man hätte auch schreiben können: die bekannte Vorhersage. Denn schon vor fünf Jahren machte Stephen Hawking sie publik. Ein Artikel aus der „Welt“ vom 4. Oktober 2000 zitiert ihn mit der Prognose, „dass sich die Erdatmosphäre immer mehr aufheizt, bis sie wie die Venus zu brodelnder Schwefelsäure wird.“

Weiter tut „Bild“ so, als habe Hawking mit seinem Untergangsszenario in der ARD-Talkshow „Beckmann“ am Montag „ein Millionenpublikum erschüttert“ und dann „bei einem Vortrag an der Berliner FU (…) noch einmal nachgelegt“. Das passt schon zeitlich nicht, da der Vortrag vor der Ausstrahlung der Sendung stattfand. Und in Wahrheit hatte die „Einstein Lecture Dahlem“ von Hawking nicht die Erderwärmung zum Thema, sondern den Ursprung des Weltalls. Aber so genau nimmt es „Bild“ eh nicht mit den Zitaten. Den Satz „Es drohen viele Gefahren. Aber die größte, die mich besorgt macht, ist die weltweite Erwärmung“ schreibt die gedruckte „Bild“ dem Vortrag in Berlin zu, Bild.de der „Beckmann“-Sendung.

Neben vielen anderen Ungenauigkeiten verblüfft auch, dass Hawking gesagt haben soll, die Erde werde am Ende „so aussehen wie die Venus: 250 Grad heiß und saurer Regen“. Die Oberfläche der Venus ist im Durchschnitt rund 470 Grad heiß.

Ach, und dann ist da noch das „Foto“, mit dem die „Bild“-Zeitung ihren Aufmacher illustriert und das sie treuherzig mit den Worten betextet: „Planet Erde, gehüllt in einen alles Leben abtötenden Hitzemantel — Hawkings Vision von unserer Zukunft“. Es handelt sich dabei um diese Illustration der Agentur „Science Photo Library“ und ist nicht mehr und nicht weniger als eine künstlerische Darstellung einer brennenden Erde, um den durchaus schon vor Hawkings Auftritten einer breiteren Öffentlichkeit bekannten Treibhauseffekt zu symbolisieren.

Danke an Takuro K. und Filippo R.!