(K)ein Dementi

Man wird ja noch mal fragen dürfen. Und so scheint die Frage, die „Bild“ heute in einer Überschrift formuliert, berechtigt:

„Wird Schröder Berater für Russen-Gas?“

Schließlich hatten verschiedene internationale Medien (unter Bezugnahme auf „diplomatische Kreise“) berichtet, Gerhard Schröder werde in allernächster Zeit ein Angebot unterbreitet, künftig als Berater im russischen Energie-Konzern Gazprom tätig zu sein. „Bild“ referiert das Gerücht und beendet die Meldung mit dem bedeutungsschwangeren Hinweis:

„Gasprom hielt sich gestern bedeckt. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax dazu nicht äußern — dementierte aber auch nicht!“

Hätte „Bild“ allerdings tatsächlich ein Dementi veröffentlichen wollen, es hätte eins gegeben — von Bela Anda nämlich, dem Regierungssprecher. Schon gestern gegen 18 Uhr berichtete der Nachrichtenagentur dpa, laut Anda sei der Wahrheitsgehalt des Gerüchts „gleich null“. Und heute nun zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Regierungssprecher mit den Worten:

„Das stimmt nicht.“

Weiter heißt es bei Reuters:

„Dabei bezog er sich ausdrücklich auf einen Bericht der ‚Bild‘-Zeitung, der er vorwarf, trotz Kenntnis seines Dementis dies nicht in ihrer Berichterstattung erwähnt zu haben.“

Aber, wer weiß: Vermutlich fehlte „Bild“ einfach der Platz für ein Dementi. Am Ende stand schließlich schon keins.
 
Nachtrag, 12.10.2005 (nur der Vollständigkeit halber):
Der Dementi-Beauftrage von „Bild“ hat seines Amtes gewaltet und dafür gesorgt, dass man heute in „Bild“ folgende Sentenz lesen kann: „Eines ist auch klar: Bundeskanzler Gerhard Schröder wird nicht Berater des russischen Energiekonzerns Gazprom.“