Ganz dünnes Eis

Also neee, ihhhh, bäääh, ist ja eklig. Gaffer. Damit wollen die Online-Redakteure des Münchner Boulevardblatts „tz“ nichts zu tun haben:

Vergangenen Freitag ist ein Touristenpaar in den Olympiasee in München eingebrochen. Sie hatten die Eisschicht dicker eingeschätzt als sie tatsächlich war. Am Ende ist alles einigermaßen gut ausgegangen: Die 39-jährige Frau und der 40-jährige Mann kamen zwar in eine Klinik, passiert ist ihnen aber nichts Schlimmeres. Ihr Kind, das ebenfalls übers Eis lief, war gar nicht erst eingebrochen.

Und dann waren da noch die Gaffer, über die sich die „tz“-Mitarbeiter so ärgern: Ein Mann und eine Frau standen am gegenüberliegenden Ufer des Sees, filmten das Geschehen und ließen einige Holzkopf-Aussagen ab. Die Frau fragt zum Beispiel: „Meinst du, die krachen dort ein?“ Und der Mann antwortet: „Vielleicht, ich hoff’s, haha.“ Und die Frau sagt: „Ich hoff’s gerade auch.“ Und der Mann sagt: „Sonst würde ich es nicht filmen.“ Und als die zwei Touristen dann tatsächlich „einkrachen“, jubelt der Mann: „Haha, hahaha, und ich hab’s drauf. Haha, ich hab’s drauf. Hörst du, wie sie schreien? Haha.“

Das ist alles ziemlich erbärmlich. Das „tz“-Team findet auch, dass die Videoaufnahmen für „Kopfschütteln“ sorgen:

Unfassbarer Vorfall am Olympiasee: Zwei Gaffer hofften, dass Personen ins Eis einbrechen. So kam es dann auch — und sie lachten darüber. Wir zeigen das Video.

Ja, richtig gelesen: Die „tz“-Mitarbeiter finden es zwar ganz „Unfassbar!“, dass da Leute filmen und ätzende Kommentare abgeben, anstatt zu helfen, zeigen das 1:16 Minuten lange Video aber trotzdem. Und nicht nur das. Sie haben es extra mit einem „tz“-Logo versehen und zwischendurch — im Sinne der Dramaturgie — Texttafeln eingebaut:




Ganz zum Schluss erklärt die Redaktion dann auch noch mal, warum sie die Aufnahmen überhaupt zeigt:

Na klar, Ehrensache.

Mit Dank an Michel K. für den Hinweis!