Reuters  etc.

Wer Storm sät, muss Gewitter ernten

— von Jörg Kachelmann —

Englisch ist ja für viele Menschen eine blöde Sprache. Oft denkt man, man wüsste, was das Zeug heißt, und dann stimmt’s gar nicht. Pathetic. Eigentlich ’ne klare Sache. Aber heißt auf deutsch erbärmlich, nicht pathetisch. Mist. Eventually wird man’s dann lernen. Aber das heißt gar nicht eventuell, sondern am Ende, schlussendlich. Blöd.

Der „Sturm“

Reuters:
„Air-France-Maschine nach Sturm über Atlantik vermisst“

dpa:
„Möglicherweise seien im Sturm auch die Antennen und das Radar der Maschine zerstört worden.“

Schön, daß es so einfache Dinge gibt wie das Wetter. Schließlich sieht und hört man auf CNN und liest in den englischen Agenturen häufig das Wort storm. Klare Sache, oder? Das muss ein Sturm sein, der das Space Shuttle beim Landen behindert. Oder womöglich bei aktuellen Airbussen schlimme Dinge tut. Aber sonst fliegen die doch auch alle bei Sturm?

Jaja, so ein Sturm ist eben auch gar nie ein Problem, das Problem ist der storm. Ist es kein Theodor, ist es ein Gewitter. Thunderstorm war zu kompliziert, um im amerikanischen Englisch zu überleben, also wurde der Thunder einfach weggelassen. Stürme sind high winds, gales und anderes mehr, aber erst Blitz und Donner machen den storm. Aber es gibt so viele Stürme in den Medien, dass es einen langen Marsch geben wird, bis die vielen Stürme aus dem Ausland zum Gewitter werden. Kann man eigentlich Englisch beim deutschen Abitur immer noch abwählen? Das wär‘ ja pathetic.

Jörg Kachelmann ist der Oberwettererklärer in der ARD und Chef Gründer des Wetterdienst-Unternehmens Meteomedia.