Steingart in „Stürmer-Manier“, Anti-Brexit-Boulevard, Liebe statt Hass

1. Mit Gabor Steingart in der Welt von Streichers „Stürmer“
(carta.info, Peter Ruhenstroth-Bauer)
„Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart schrieb am Freitag in seinem morgendlichen Newsletter dem SPD-Politiker Martin Schulz die Fähigkeiten als Kanzlerkandidat ab: kein Abitur, früher mal Trinker, jetzt grantelnder Abstinenzler.
Peter Ruhenstroth-Bauer sieht im Erledigen eines Menschen „in sechs Sätzen“ eine „Stürmer-Manier“: „Es läuft etwas schief bei uns, wenn der Herausgeber einer weithin nicht unbekannten Wirtschafts- und Finanzzeitung in sechs Sätzen einen Politiker so menschenverachtend beschreibt. Das, was da als journalistisch flotter morgendlicher Anreißer daherkommt, ist in Wahrheit eine ganz bewusste Grenzüberschreitung.“

2. Neun Tage für eine neue Zeitung
(nzz.ch, Viola Schenz)
Viola Schenz schreibt über den überraschenden Erfolg der britischen Wochenzeitung „The New European“, die sich an die Brexit-Gegner richtet: „Dabei ist sie nicht einmal hübsch: Mit der plumpen Typografie, den grossen, sehr bunten Fotos und Karikaturen gleicht sie einem aus der Zeit gefallenen Boulevardblatt. Aber um Ästhetik geht es bei dieser Schnellgeburt nicht, sondern um Inhalte und Symbolik. Jede Ausgabe ist 48 Seiten dick, entsprechend dem Prozentsatz der Brexit-Gegner, gefüllt mit meist klugen Essays über den Unsinn eines EU-Austritts und die Vorzüge gesamteuropäischer Lebensart, mit Karikaturen und britischem Humor (‚Warum wir Lego lieben und die Brex Pistols hassen‘).“

3. „Trump ist die Bewunderung der ‚New York Times‘ wichtig“
(zeit.de, Daniel-C. Schmidt)
Was Donald Trump von den meisten US-Medien und ihren Vertretern hält, ist inzwischen ziemlich klar: die Presse sei verlogen, Journalisten seien Abschaum, er entzog manchen Redaktionen die Akkreditierungen für seine Veranstaltungen. Bei vielen Publikationen ist inzwischen ähnlich klar, was sie vom künftigen US-Präsidenten halten: nicht viel. Aber, das zeigte sich schon früh im Wahlkampf, Trump bringt Quote. Daniel-C. Schmidt spricht mit Margaret Sullivan, Kolumnistin bei der „Washington Post“, über das komplizierte, ambivalente Verhältnis zwischen Trump und den Medien.

4. Last man standing
(taz.de, Markus Sehl)
Am Mittwoch wird die letzte Ausgabe der türkischen Zeitung „Zaman“ an Kiosken in Deutschland liegen. Dann ist Schluss, Ende, finito. Markus Sehl hat das Verlagsgebäude und die Druckerei in Offenbach besucht. Dort, wo früher mal 150 Menschen gearbeitet haben, sieht es jetzt aus wie in einem Geisterhaus.

5. VW-CEO Matthias Müller im Interview-Check-Up
(pressesprecher.com, Stefan Zuber)
Vorletzte Woche erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ein Interview mit VW-Chef Matthias Müller, das für einigen Wirbel sorgte — Müller setzte darin gleich zweimal zur Attacke in Richtung Kunden an. Stefan Zuber bewertet Schritt für Schritt „die Performance“ von Müller und des VW-Kommunikationsteams aus Sicht eines Pressesprechers („Aufgabe der Medienleute ist es, den Chef sorgsam vorzubereiten und gegebenenfalls durch eine behutsame Nachbearbeitung der Zitate Unschärfe zu bereinigen.“). Sein Fazit: lief nicht so gut für VW. Achtung, kann Spuren von PR-Sprache enthalten.

6. Liebe gegen Hasskommentare — ein Selbstversuch
(faz.net, Friederike Haupt)
Hass, Hass, Hass, wohin man im Internet nur schaut. Friederike Haupt wollte mal was Nettes dagegensetzen: „Ich wollte einen Tag lang nur Liebeskommentare schreiben: Komplimente, Dankeschöns, Besinnliches. Nichts davon sollte gelogen sein.“ Spoiler: Der Erfolg war mittelmäßig.