AfD-Aufschrei, Oktoberfest-Tränen, Seitensprung-Offensive

1. Hier & Jetzt 6: ’10 Jahre Medienwandeldebatte‘, mit Ronnie Grob
(neunetz.fm, Marcel Weiß & Ronnie Grob)
Fast eine ganze Dekade hat Ronnie Grob als Kurator die Medienrubrik „6 vor 9“ beim BILDblog mit Empfehlungen bestückt und in dieser Zeit ein unfassbares Wissen über die spezifischen Eigenheiten der Branche und den Medienwandel (und die damit verbundenen Medienwandeldebatten) angesammelt. Im Interview spricht er eine Stunde über die letzten zehn Jahre, neue Geschäftsmodelle und den Status Quo des Journalismus. Persönliche Anmerkung: Als sein Nachfolger bin ich auch nach einem dreiviertel Jahr voller Bewunderung für das, was Ronnie Grob hier auf BILDblog geleistet hat. Respekt, Ronnie!

2. Wo bleibt der Aufschrei?
(spiegel.de, Liane Bednarz und Farhad Dilmaghani)
Die AfD reklamiere demokratische Rechte für sich, um auf legalem Weg an die Macht zu kommen – dann will sie „aufräumen“, „ausmisten“ und „Politik nur für das Volk machen“. Wer diese Rhetorik verharmlose, mache sich mitschuldig, finden Liane Bednarz und Farhad Dilmaghani in ihrem Gastbeitrag für „Spiegel Online“.

3. So gehts: Wie Sie den Medien ein Seitensprung-Baby beichten
(schweizamsonntag.ch, Christof Moser)
„Sind Sie ein prominenter Politiker, zelebrieren öffentlich Ihr Ehe- und Familienleben, zeugen dann aber ein außereheliches Baby? Gehen Sie in die Offensive wie Christophe Darbellay!“, so die provozierende Empfehlung von Christof Moser in der „Schweiz am Sonntag“. Dirigiert wurde das Ganze von einem Züricher Medienanwalt, der für seinen Mandanten einen Deal mit dem „SonntagsBlick“ aushandelte, der auf mediale Schadensbegrenzung ausgerichtet war.

4. Die Charmeoffensive
(taz.de, Daniel Bouhs)
Google investiert über einen „Innovationsfond“ 150 Millionen Euro in den europäischen Medienmarkt. Eine „Charmeoffensive“ nennt Daniel Bouhs das Vorgehen, mit dem Google noch mehr Verlage für eine Zusammenarbeit gewinnen will. Auf der – zumindest teilweise öffentlichen – Förderliste würden neben Start-ups auch Traditionshäuser wie die Schweizer „NZZ“, der britische „Telegraph“, der österreichische „Standard“, die „Wirtschaftswoche“, der „Tagesspiegel“ und die „Rhein-Zeitung“. Und auch der „Spiegel“ habe angekündigt, sich um die Förderung zu bemühen.

5. „Was Facebook tut, unterliegt keiner demokratischen Kontrolle“
(deutschlandradiokultur.de, Ulf Buermeyer & Christian Rabhansl)
„Deutschlandradio Kultur“ hat mit dem Verfassungsrechtler und Berliner Richter Ulf Buermeyer gesprochen. Dieser kritisiert, dass Facebook sich deutschen Strafverfolgungsbehörden entziehe. „Und ich denke, wir müssen bei Unternehmen, die so wie Facebook relevant sind für die demokratische Kultur und für den Diskurs in einer Demokratie, bei solchen Unternehmen müssen wir schon darüber nachdenken, ob wir uns da ausschließlich auf letztlich willkürliche Hausregeln und deren ebenso willkürliche Durchsetzung verlassen können oder ob wir hier nicht irgendeine Form von demokratischer Kontrolle brauchen.“ Das Bundesjustizministerium müsse auf Facebook einwirken und zumindest einen Deal erwirken, der es den Strafverfolgungsbehörden erlaube, im Bedarfsfall einzuschreiten: „Für mich ist nicht einleuchtend, wieso Facebook in Deutschland nach deutschem Recht Werbung verkauft, aber sich den Strafverfolgungsbehörden weitgehend entzieht und, wie gesagt, nur nach Gutdünken kooperiert.“

6. Wiesn-TV – Bei jeder Werbung möchte man weinen vor Dankbarkeit
(sueddeutsche.de, Johanna Bruckner)
Johanna Bruckner hat sich mehr als vier Stunden Oktoberfest-Live-Übertragung angetan. Ihre Erkenntnis: Söder verliert im Wiesn-Schwanzvergleich. Und das Oktoberfest kann auch ohne Alkohol sehr wehtun.