Neonazis gibt es nicht

In einer Grafik hat „Spiegel Online“ die wichtigsten Informationen über die heutige Bundespräsidentenwahl zusammengefasst. „Horst Köhler gegen Gesine Schwan und Peter Sodann — die drei Präsidentschaftskandidaten 2009“ heißt es da. Und:

Das ist sehr übersichtlich. Aber zur Wahl standen nicht drei Kandidaten, sondern vier. Neben den bekannten auch Frank Rennicke, ein rechtsradikaler Liedermacher, der von NPD und DVU aufgestellt worden war und ihre vier Stimmen bekam. Ja, NPD und DVU durften, weil sie in den Landtagen von Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vertreten sind, Wahlmänner in der Bundesversammlung stellen. Aber nicht in der Übersicht von „Spiegel Online“:

Für rechtsradikale Abgeordnete ist anscheinend kein Platz auf den Infografiken* von „Spiegel Online“ — und auch zwei fraktionslose Abgeordnete standen dem Wunsch nach übersichtlichen, sauberen Verhältnissen wohl im Wege.

Ob die Neonazis weggehen, wenn man so tut, als gäbe es sie nicht?

*) An anderer Stelle erwähnt „Spiegel Online“ Rennicke und die Abgeordneten

Nachtrag, 24. Mai. Immerhin: „Spiegel Online“ hat die Grafik mit der Sitzverteilung um einen Text ergänzt, der die fraktionslosen und rechten Wahlleute aufführt. Und statt „Mehr über die drei Bewerber“ heißt es nun nur noch: „Mehr über Köhler & Co“.