Kriegsberichterstattung, Gegenrede, Trump-Verarbeitung

1. Warum wir Männer wie Fadi brauchen
(tagesschau.de, Volker Schwenck)
Die unabhängige Berichterstattung aus Orten wie dem belagerten Ostteil von Aleppo in Syrien ist nur mit Menschen möglich, die Schleichwege und Rebellen-Kommandanten kennen, so Volker Schwenck, Leiter des ARD-Studios in Kairo. Das ARD-Studio arbeite daher mit Männern wie dem Kameramann Fadi zusammen, der im Ostteil der Stadt lebt und über Umwege Bilder aus der Kriegszone schmuggelt. Warum setzt man auf Männer wie Fadi? „Weil die Alternative wäre: gar keine Berichterstattung oder nur noch fremdes Material, das wir nicht beeinflussen können und dessen Autoren wir nicht kennen. Selber hingehen, mit eigenen Augen sehen – das ist leider, weltfremden Aufforderungen erboster Kommentatoren im Internet zum Trotz, nur unter extremen Risiken möglich, die ich nicht einzugehen gewillt bin und die ich auch keinem Kollegen zumuten kann.“

2. Im digitalen Höhenflug
(de.ejo-online.eu, Stephan Russ-Mohl)
Seit dem Einstieg von Amazon-Gründer Jeff Bezos wurde die Redaktion der „Washington Post“ um 140 Mitarbeiter erweitert und 35 IT-Spezialisten wurden eingestellt. Das Engagement zahle sich zumindest in Ansehens- und Reichweiten-Zugewinn aus. Stephan Russ-Mohl fragt in seinem Artikel über den digitalen Höhenflug der „WaPo“, welche Strategie Bezos verfolgt und ob die Zeitung wirklich unabhängig ist.

3. Mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen!
(wdr.de, Georg Restle)
„Monitor“-Chef Georg Restle antwortet „Spiegel“-Kolumnist Georg Diez auf dessen jüngste Kolumne, in der dieser das öffentlich-rechtliche Fernsehen als „Simplifizierungsmaschine“ bezeichnete. Restle zu Diez: „Also ja: Reform tut Not. Die Frage ist nur: Welche? Leider hat es Ihnen hier wohl die Sprache verschlagen, so simpel klingt Ihr Plädoyer am Ende. „Was wir brauchen, ist ein grundsätzlich anderes öffentlich-rechtliches Fernsehen, anders strukturiert, anders organisiert, anders ausgerichtet“, schreiben Sie. Ja, um Himmels Willen, was wollen Sie uns damit nur sagen? Mehr oder weniger Unterhaltung? Mehr oder weniger Pluralismus? Mehr oder weniger Unabhängigkeit?“

4. Nach Medienreform: Polen beanstanden Zensur im TV
(digitalfernsehen.de, Natalie Skrzypczak)
Seit Anfang des Jahres wirkt in Polen die sogenannte „Medienreform“. Von diesem Zeitpunkt an sehen sich die Zuschauer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Zensur und Propanda ausgesetzt. Vor allem bei der Sendung „Wiadomosci“ (Nachrichten) sei der Einfluss der nationalkonservativen Warschauer Regierung nicht zu übersehen, berichtet Natalie Skrzypczak. Die Folge sei eine dramatische Zuschauerabwanderung. Im letzten halben Jahr seien die Werte des öffentlich-rechtlichen Senders TVP auf ein historisches Tief gefallen, die Nachrichtensendung „Wiadomosci“ hätte 1,5 Millionen Zuschauer verloren.

5. ZEIT-Appell: Demokraten, kauft Zeitungen!
(jensrehlaender.com)
Jens Rehländer setzt sich mit einem der zehn Gebote auseinander, die in der „Zeit“ unter der Überschrift „Was ich tun kann, um die Demokratie zu stärken, in der ich lebe“ aufgelistet wurden. Dort heiße es unter Ziffer 4: „Ich informiere mich. Ich höre, lese oder sehe Nachrichten, kaufe gute Zeitungen (zahle für sie auch im Internet), damit erhalte ich die selbstbewusste und kritische Presse, die unsere Demokratie vor autoritären Einflüssen schützt (…)“. Rehländer tut sich in mehrfacher Hinsicht schwer mit dieser Aussage und konstatiert: „Der gutgemeinte Appell wird also jene, die sich der Zeitung (und dem öffentlich-rechtlichen System) verweigern, nicht auf den Pfad der Tugend zurückführen – weil der Appell sie nicht erreicht, so lange er nur in der ZEIT gedruckt wird. Denn ZEIT-Leser müssen nicht bekehrt werden. Die haben ja schon eine „gute Zeitung“ gekauft.“

6. Truth or Trump – Wie ernst nehmen ihn US-Medien?
(dwdl.de, Christian Fahrenbach)
Christian Fahrenbach hat sich für „dwdl.de“ mit der US-amerikanischen Berichterstattung über Präsidentschaftsbewerber Trump beschäftigt. Sein Fazit: „US-Medien bringen sich mit neuen Formaten zwar in Stellung, nehmen den Kandidaten aber insgesamt ernster als es häufig in Deutschland ankommt.“