Das Herzlos-Herrchen von Löbau

Hunde sind etwas ganz Wunderbares: Sie kotzen auf den Teppich, müssen ständig raus, haaren das Auto voll, verkratzen das Parkett, knabbern am Sofa, neigen zum Sabbern oder haben Herzfehler – und wenn sie eines Tages sterben, ist das sehr, sehr traurig. Außerdem kosten sie Geld: Futter, Hundehaftpflicht, Tollwutimpfung, Bahn- und U-Bahn-Karten, Quietschetierchen, Leckerli… Glücklich ist, wer einen Hund im bayerischen Windorf hat, denn offenbar gibt’s da wenigstens keine Hundesteuer. Im 180 Kilometer entfernten München hingegen sind’s jährlich 76,80 Euro, 100 Kilometer weiter, in Klais, angeblich sogar 1.200 Euro usw.

Gut 500 Kilometer von der Hundesteueroase Windorf liegt Löbau, wo der Stadtrat am 12. Mai 2005 eine neue Hundesteuersatzung beschlossen hat, wonach ein Hund nun beispielsweise 18 Euro weniger als in Berlin, 54 Euro weniger als in Köln kostet (ja, selbst bei mehreren Hunden mindestens 54 Euro weniger als z.B. in Villingen-Schwenningen). Und am 19. September 2005 fand sich deshalb in „Bild“ folgende, mit „vier süßen Welpen“ illustrierte, Geschichte:

"Hundesteuer 100 Prozent rauf - Herrchen muss uns einschläfern!"

Mit anderen Worten: „Bild“ wollte sich offenbar über die Hundesteuererhöung in Löbau echauffieren und hatte zur Veranschaulichung den Löbauer Bernd Engelmann aufgetan, dessen Riesenschnauzerhündin Maxi im Juli eben jene „vier süßen Welpen“ (siehe Ausriss) bekommen hatte, woraufhin „Bild“ textete:

„Die Welpen sind erst neun Wochen alt. Aber ihr Besitzer muß sie wohl einschläfern, weil er die teure Hundesteuer nicht bezahlen kann.“

Wiederholt taucht das „einschläfern müssen“ in der kurzen „Bild“-Meldung auf. Und das ist nicht nur falsch (weil Engelmanns „süße Welpen“ noch gar nicht hundesteuerpflichtig sind und gemäß Hundesteuersatzung erst ab November angemeldet werden müssten), sondern auch grob irreführend: Denn von „einschläfern müssen“ kann keine Rede sein – im Gegenteil: Laut Tierschutzgesetz ist das Töten von Wirbeltieren „ohne vernünftigen Grund“ verboten und wird mit Freiheits- oder Geldstrafe bestraft. Eine vielleicht nicht unwesentliche Information, die „Bild“ jedoch ebenso verschweigt wie die weitaus naheliegendere Möglichkeit, die Welpen einfach zu verkaufen oder zu verschenken.

Mit Dank an Kinga K. und Jana für den Hinweis, danke auch an Ella und Nappo für die Inspiration.