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Wie kein Ei dem anderen

Das Leben könnte ja so schön einfach sein — wenn man nur einen Zwilling als Geschwister hätte. Ein eineiiger sollte es allerdings schon sein. Denn solche eineiigen Zwillinge, so schreibt die „Bild“-Ausgabe Dresden, sind dermaßen identisch, dass sie niemand, wirklich niemand auseinander halten kann. Man könnte sich also abwechseln mit dem täglichen Gang in die Arbeit, man könnte sich einen Ehepartner teilen, ohne dass der das merkt. Oder aber, um zu den wirklich praktischen Seiten des Lebens zu kommen:

Ätsch, Polizei! Wir teilen uns einen Führerschein

Unter dieser Überschrift berichtet „Bild“ von zwei Dresdnerinnen, die nie von einem Fahrverbot betroffen sind — selbst dann nicht, wenn eine der beiden mal den Führerschein verliert (was angeblich öfter vorkommt). Denn wenn das mal der Fall sein sollte, dann fährt die eine einfach mit dem Führerschein der anderen weiter. Und das Schöne daran: „Die Polizei kann nichts dagegen tun!“. Die Erklärung dafür liefert „Bild“ gleich hinterher: Die beiden eineiigen Zwillinge seien wie Klons, was in der Konsequenz bedeute

Und weil die beiden genetisch identisch sind, kann kein Polizist der Welt sagen, wer nun wirklich gefahren ist…

Wenn die Polizisten dieser Erde nur „Bild“ lesen würden, könnte das vielleicht sein. Wenn sie (und die „Bild“-Redaktion) sich aber beispielsweise hier informieren würden, wüssten sie, dass eineiige Zwillinge keineswegs immer einen identischen genetischen Code haben müssen. Im Gegenteil, so heißt es bei „Bild der Wissenschaft“ weiter:

In ihrem Erbgut, dem „Buch des Lebens“, können im Vergleich zu ihrem Zwilling ganze Textteile fehlen oder auch mehrfach vorkommen.

Und wenn die Polizisten (und die „Bild“-Redaktion) ganz schlau wären, dann wüssten sie, dass man nicht einmal genetische Codes überprüfen muss, um Menschen auseinanderhalten zu können. Da Fingerabdrücke letztendlich das Resultat eines sehr zufälligen Prozesses sind, gibt es keine identischen Abdrücke — nicht mal bei eineiigen Zwillingen.