Falsches Spiel des Jahres

In der Kindersendung „Kakadu“ vom „Deutschlandradio Kultur“ gibt es all die Themen, die Kindern beim Radiohören Spaß machen könnten: Eine Reportage vom „Kinderabenteuerhof in Freiburg“ oder ein Hörspiel über einen „Elefanten im Krankenhaus“ oder einen Beitrag über „Kaninchenköttel, Kuhfladen, Katzenkacke“.

Vorgestern ging es unter anderem um eine der wichtigsten Preisverleihungen für die „Kakadu“-Hörerschaft:

Das wird jedes Jahr von einer Jury gekürt, und gewonnen hat dieses Mal das Sprachspiel „Codenames“. Um die diesjährige Entscheidung der Jury zu kommentieren, ist extra die „Spiele-Expertin“ Christina Valentiner-Branth ins „Kakadu“-Studio gekommen. Und als die Moderatorin von Valentiner-Branth wissen will, ob die Wahl der Jury eine „gute Wahl“ war, hat die eine klare Antwort:

Nee, leider nicht. Dieses Jahr leider überhaupt kein bisschen. Und ich bin auch echt, ich bin, ich bin sogar richtig ein bisschen böse.

In der Vergangenheit habe man sich als Käufer immer sicher sein können, dass das „Spiel des Jahres“ ein „Super-Top-Familienspiel“ ist. Das könne man mit Oma spielen, das könne man mit den Kindern spielen, das könne man mit der ganzen Familie spielen, nicht zu schwer, nicht zu viele Regeln. „Codenames“ sei nun ab 14 Jahren empfohlen, dazu ein Sprachspiel, bei dem man gut lesen können müsse, und es funktioniere erst ab vier Leuten, „die richtig gut und kreativ sind.“

Also:

Finger weg vom diesjährigen „Spiel des Jahres“, wenn ihr eine Familie seid.

Soweit, so nachvollziehbar.

Moderatorin: Gucken wir doch dann, was bei den restlichen Nominierten, die aber heute keinen Preis bekommen haben, vielleicht noch dein Tipp wäre, was so ein Familienspiel ist.

Valentiner-Branth: Also wenn jetzt Weihnachten naht oder ihr demnächst Geburtstag habt, und ihr wollt euch was …

Moderatorin: Ja, „O Tannenbaum“ lief schon im Radio.

Valentiner-Branth: Ja, du warst schon voll dabei. Also wenn ihr da irgendwie was sucht und ihr seid so Familie, habt vielleicht so einen Achtjährigen, einen Zehnjährigen, vielleicht auch noch einen Zwölfjährigen dabei, dann kann ich das Spiel „Karuba“ empfehlen. „Karuba“ stand auf der Nominierungsliste, also drei Spiele waren vorgeschlagen für den „Spiel des Jahres“-Preis. Das ist ein Spiel für Kinder ab acht Jahren. Die Regeln sind super einfach. Man kann es ganz schnell lernen. Und eigentlich hatten ganz viele gewettet, dass „Karuba“ „Spiel des Jahres“ wird. Die waren natürlich alle ein bisschen enttäuscht.

Einer, der besonders enttäuscht gewesen sein dürfte, ist der Ehemann von „Spiele-Expertin“ Christina Valentiner-Branth. Der war als Redakteur nämlich maßgeblich an der Entwicklung von „Karuba“ beteiligt (PDF) und dürfte großes Interesse daran haben, dass Achtjährige oder Zehnjährige oder auch Zwölfjährige bei „Kakadu“ von seinem „Karuba“ hören und es sich dann zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünschen.

Über die Sendung „Kakadu“ steht auf der Homepage vom „Deutschlandradio“:

Die Kindersendung läuft täglich live im Programm von Deutschlandradio Kultur und ist bundesweit und werbefrei zu hören.

Der Werbeblock von Christina Valentiner-Branth hat es dann aber doch ins Programm geschafft.

Auf Nachfrage schreibt und das „Deutschlandradio Kultur“, dass Christina Valentiner-Branth die Redaktion darüber informiert habe, dass ihr Ehemann „an dem Spiel ‚Karuba‘ beteiligt war, aber eben als Redakteur.“ Man habe „keinerlei Anzeichen von Schleichwerbung o.ä. gesehen oder auch beabsichtigt. Insofern haben wir kein Problem darin gesehen, sie als Kritikerin für die Preisverleihung ‚Das Spiel des Jahres‘ zu befragen.“ Man schätze „Frau Valentiner-Branth wegen ihrer kritischen und objektiven Berichterstattung.“

Mit Dank an den Hinweisgeber!