Nachverurteilung

Nachdem die „Bild“-Zeitung am Dienstag sich und Andreas Türck von jeder Schuld reingewaschen und behauptet hatte, die „Justiz“ habe „ein schmutziges Gerichtsspektakel“ inszeniert, machte sich „Bild“ am gestrigen Samstag daran, Andreas Türcks TV-Karrierechancen einzuschätzen:

Das ging schnell! Kaum war Andreas Türck (36) im Vergewaltigungsprozeß freigesprochen, kam schon das erste neue TV- Angebot. Er soll für RTL ins „Dschungelcamp“ gehen. Dabei sah es während des Verfahrens lange danach aus, daß kein Sender ihn mehr nehmen würde.

Wie zum Vergleich zählte „Bild“ anschließend auf, „welche TV-Stars auch den Weg von der Anklagebank zurück auf den Bildschirm geschafft haben“ (siehe Ausriss) – und übersah dabei, dass die Prominenten, die „Bild“ aufzählt, im Gegensatz zum freigesprochenen Türck allesamt vorbestraft sind: Karsten Speck wegen Betrugs, Martin Semmelrogge wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein, Michel Friedman wegen Kokain-Besitzes, Wolfgang Lippert wegen Ladendiebstahls, Carsten Spengemann wegen Unterschlagung…

PS: Da es der „Bild“ offenbar egal ist, wie und mit welchem Ergebnis man vor Gericht steht, könnte man — eine ähnlich oberflächliche Sichtweise wie die der „Bild“ vorausgesetzt — ebenso behaupten, dass es Kai Diekmann, der einst wegen seines Penis vor Gericht stand, „zurück“ in die „Bild“-Redaktion geschafft habe. Aber lassen wir das – ebenso wie den Hinweis auf die „Bild“-Zeitung vom vergangenen Dienstag, in der die Zeitung den Eindruck erwecken konnte, Carsten Spengemann habe es womöglich doch nicht so richtig „zurück ins TV“ geschafft.

Mit Dank an Johannes S. und die Malteser in Dortmund.