Liebes-Hashtag, Bildverdrehung, Nachrichtendramaturgie

1. „Fuck it, ich lasse mir meine Offenheit nicht kaputtmachen!“: Die Initiatorin des Hashtags #aufdieliebe im Interview
(wired.de, Nikolaus Röttger)
Kathrin Weßling postet auf Facebook ein Bild von sich. Sie hält darauf ein Wodkaglas in der Hand und prostet dem Betrachter zu: „Auf die Liebe, sich zuhören, sich & andere respektieren, ehrlich sein, heulen, schreien, auf über alles reden und trinken, auf küssen und Konfetti, auf das Leben und die Freiheit.“ Auf Twitter wird daraus ein viraler Trend. Unzählige Leute stellen das Bild nach, und der Hashtag „#aufdieliebe“ holt zwischenzeitlich sogar den Hashtag #StopIslam ein. „Wired“ hat mit der Initiatorin über die Entstehung der Aktion und die Beweggründe gesprochen.

2. Ausgegraben: Der Ursprung des Steinbach-Bildes
(ndr.de, Fiete Stegers)
Die CDU-Politikerin Erika Steinbach hat auf Twitter vor einiger Zeit ein Foto einer überraschten Begegnung einer großen Gruppe von indischen Kindern mit einem einzelnen blonden, hellhäutigen Kind gepostet. Mit dem perfiden Zusatz: „Deutschland 2030“. Mittlerweile sind die Urheber des Bilds ausgemacht. „Das Foto entstand in einem sehr schönen Moment voller Liebe und Freude. Er zeigt das Miteinander verschiedener Kulturen und von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen“, erinnert sich der Vater. „Das auf eine negative Weise zu verwenden, unterstützen wir auf gar keinen Fall.“

3. Prozess gegen Cumhuriyet-Journalisten einstellen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Am Karfreitag beginnt der Prozess gegen den Chefredakteur und den Hauptstadtbüroleiter der Tageszeitung Cumhuriyet, denen aufgrund ihrer Berichterstattung lebenslange Haftstrafen wegen Spionage- und Terrorismusvorwürfen drohen. „Reporter ohne Grenzen“ bezeichnet das Ganze als Skandal, der Fall sei „symptomatisch dafür, wie die türkische Führung in ihrem Kampf gegen unbequeme Journalisten immer unverhohlener das Recht beugt.“ Umfassender Beitrag über die verheerende Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei mit zahlreichen Beispielen und Links zum Weiterlesen.

4. Tote, Rauch und Synthieklänge
(taz.de, Barbara Dribbusch)
„Taz“-Redakteurin Barbara Dribbusch setzt sich mit der Nachrichtendramaturgie im Fernsehen auseinander. Einige Sendungen würden die Bilder zu den Brüsseler Anschlägen mit Soundtracks unterlegen. Das sende die falsche Botschaft an Täter und Opfer. „Was passiert eigentlich, wenn Verletzte oder gar die Angehörigen von Todesopfern im Fernsehen solche Nachrichtensendungen sehen, in denen ihr real erlebtes Leid, das zufällig von einer Handykamera gefilmt wurde, mittels Soundtrack zu Szenen wie in einem Thriller aufgemotzt wird?“

5. Im Panikorchester
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz beschäftigt sich anlässlich der Brüsseler Anschläge mit dem hehren Anspruch von Journalisten, seriös zu informieren und sich damit vom Internet-Geraune abzuheben. Dabei seien es die Journalisten selbst, die Onlinegerüchte und Netzgeplapper ungeprüft verbreiten würden, unter dem Deckmantel der Spekulation – „als wäre das der Zauberspruch, um einfach alles ungeprüft rauszuhauen, solange man es nur als möglichen Unsinn kennzeichnet.“

6. Auslandsjournalismus in der Krise? – „Auf den Medienhype muss man aufpassen“
(journalisten-bloggen.de)
Der Auslandsjournalismus hat es schwer. Weltweite Korrespondentennetze leisten sich nur noch überregionale Medien wie ARD, ZDF, Spiegel, SZ, FAZ, Handelsblatt, dpa oder die taz. Der Artikel lässt einige Auslandskorrespondenten zu Wort kommen. Die Aussichten sind nicht rosig: Überregionalen Printmedien würden weiter Korrespondentenstellen abbauen. Und sowieso würde in diesem Zusammenhang Idealismus eine immer wichtiger werdende Rolle spielen.