Falsche „Horror-Kita“, Lügen im Ukraine-Konflikt, neue Buchcharts

1. Die Wahrheit auf der letzten Seite
(taz.de, Aziz El Massassi)
Das ägyptische Regime um General al-Sisi habe vor knapp zwei Jahren eine Verfassung verabschiedet, die Pressefreiheit garantiert. In der Realität gelte diese Freiheit allerdings nur für einen Teil der Medien: Wer die Regierung kritisiert, werde beschuldigt, „den Terror zu unterstützen“. Aziz El Massassi gibt Einblick in eine Gesellschaft, die nur formell eine Demokratie sei, und zitiert eine Kollegin: „‚Für die Journalisten und für die Meinungsfreiheit insgesamt ist dieses Regime schlimmer als das der Muslimbrüder — und sogar schlimmer als das Mubarak-Regime.'“

2. Die „Horror-Kita“ in Mainz, die keine war
(tagesspiegel.de, Kai Müller)
„Kinder missbrauchen Kinder: Ermittlungen in Horror-Kita“ — diese Schlagzeile der „Bild“-Zeitung löste im Sommer eine Welle teils hysterischer Berichterstattung aus, üble journalistische Fehler inklusive. So wurde etwa aus „53 Blessuren“ die Meldung „schwere sexuelle Gewalt, Übergriffe und Erpressung unter 53 Kindern“. Ende November stellte sich schließlich heraus, dass ein Großteil der Vorwürfe haltlos war, die Staatsanwaltschaft sprach von „überwiegend entlastenden Erkenntnissen“.

3. „Ich hoffe, dass es Stop Fake in fünf Jahren nicht mehr gibt“
(de.ejo-online.eu, Stella Venohr)
Um den Propagandalügen im Ukraine-Konflikt entgegenzuwirken, haben Studenten und Absolventen der Kiewer Mohyla Journalistenschule 2014 die Plattform „Stop Fake“ gegründet. Seitdem entkräften sie Meldungen über vermeintliche Verstöße bei Kommunalwahlen oder angebliche neue Gesetze. Stella Venohr hat mit „Stop Fake“-Faktenchecker Artem Babak gesprochen.

4. Universitätsklinikum Mannheim: Wie ein Unternehmen gegen Medien auf die Straße geht
(kress.de, Nora Jakob)
Vergangenes Jahr wurde bekannt, dass im Universitätsklinikum Mannheim mit unzureichend sterilisiertem Besteck operiert wurde. Die Medien schlachteten den „Hygieneskandal“ aus und übertrieben es dabei, sagt zumindest das Krankenhaus und insbesondere der Vorsitzende des Betriebsrats: Die Journalisten von „Spiegel“ und „Zeit Online“ hätten „immer wieder dafür gesorgt, dass sich die Bilder in den Köpfen der Menschen festsetzen, egal ob sich mittlerweile bei uns etwas geändert hat oder nicht.“ Der Betriebsrat hat vor einigen Wochen Anzeigen im „Mannheimer Morgen“ geschaltet und sogar eine Demonstration gegen die unfaire Berichterstattung organisiert. Die Journalisten weisen die Kritik zurück: „Schmutzig waren die Instrumente in Mannheim, unsere journalistische Berichterstattung darüber ist sauber.“

5. BILD „Journalisten“ sind Journalisten in Anführungszeichen
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Für „Bild“ ist Russland kein Partner, sondern nur ein „Partner“. Und für „almasala“ ist die „Bild“-Berichterstattung mit ihren „subtilen Anführungszeichen als rhetorisches Stilmittel“ nur eine „Berichterstattung“: „Für einen Anführungszeichen-Journalisten ist eine ‚Quelle‘ eine vertrauenswürdige Quelle ohne Anführungszeichen, sobald sie die gewünschten Aussagen tätigt.“

6. Inklusive eBooks: Bild publiziert Amazon-Buchcharts
(lesen.net, Johannes Haupt)
Seit gestern gibt es eine neue Bücher-Bestsellerliste, herausgegeben von „Bild“ und Amazon. Johannes Haupt sieht darin „vor allem eine erhebliche Werbemaßnahme für die Kindle-Plattform“: Die Aussagekraft der neuen Bücher-Charts sei „in vielerlei Hinsicht überschaubar, Amazon und Bild machen aber sicherlich einen guten Schnitt.“