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Nein, natürlich geht die Welt nicht unter — jedenfalls, nach allem was wir wissen, nicht am „Freitag den 13. April 2029“ und auch nicht durch den Asteroiden Apophis. Um das herauszufinden, muss man nicht mal mehr irgendwelche Fachaufsätze lesen, weil sich beispielsweise schon Spiegel-Online oder die „Zeit“ der Panikmache von „Bild“ angenommen haben.

Und als wären die Weltuntergangsvisionen in der gedruckten „Bild“ nicht schon hanebüchen genug, in der Online-Ausgabe wird es noch skurriler. Dort ist der ansonsten gleichlautende Text ein ganzes Stück länger, und mit einigen Zitaten aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ angereichert (die in der Druckausgabe übrigens mit keinem Wort erwähnt wird).

Allerdings hat man bei Bild.de die „FAZ“-Zitate mehrfach aus dem Zusammenhang gerissen. So steht dort beispielsweise, mit eindeutigem Bezug auf den angeblich „400 Meter“ großen Asteroiden (der in Wahrheit bloß 320 Meter misst) folgendes:

Die angesehene „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ warnt: „Der Einschlag eines derartigen Himmelskörpers könnte ganzen Zivilisationen zum Verhängnis werden.“

Die Passage in der „FAZ“ jedoch liest sich im vollen Wortlaut so:

Seit den neunziger Jahren gibt es mehrere Programme zur systematischen Suche nach solchen Objekten, die mindestens einen Kilometer groß sind. Der Einschlag eines derartigen Himmelskörpers könnte ganzen Zivilisationen zum Verhängnis werden.

Über Apophis steht in der „FAZ“, dass Objekte wie er „immerhin noch erhebliche Schäden anrichten könnten„.

Etwas später zitiert Bild.de den Nasa-Astronauten Russell Schweickart, und im Anschluss heißt es:

Spätestens 2014 muß „Apophis“ auf eine andere Bahn gestoßen werden, sonst gibt es wohl keine Rettung mehr.

Darüber steht auch etwas in der „FAZ“. Nur, dass Schweickart dort nicht davon ausgeht, dass Apophis bis zum Jahr 2014 abgelenkt werden müsste. Seiner Ansicht nach müsste im Jahr 2014 lediglich mit der Planung dafür begonnen werden.

Und weiter im Bild.de-Text:

Die Beobachtungen des 300-Meter-Radioteleskops in Arecibo (Puerto Rico) zeigen: Der Asteroid ist völlig unberechenbar.

Keine Ahnung, wie Bild.de darauf kommt, in der „FAZ“ jedenfalls steht quasi das Gegenteil:

Schon die ersten (…) Rechnungen zeigten, daß der Kleinplanet im Jahr 2029 der Erde außerordentlich nahe kommen würde. Radarmessungen mit dem 300-Meter-Radioteleskop in Arecibo (Puerto Rico) haben das Anfang dieses Jahres bestätigt.

Doch natürlich braucht man bei Bild.de die „FAZ“ nicht, um durch das Weglassen von Informationen einen falschen Eindruck zu erwecken. Das geht auch so:

Mehrmals verloren die Wissenschaftler den Kontakt. Auf 1:300 schätzten sie anfangs die Chance eines Einschlags, mußten auch diese Zahl immer wieder ändern.

Zwischenzeitlich (im Dezember 2004) schätzten Wissenschaftler die Chance eines Einschlags sogar auf 1:37. Noch am selben Tag konnte jedoch ein Zusammenstoß am 13. April 2029 ausgeschlossen werden. Und jetzt gehen eigentlich alle, bis auf „Bild“, davon aus, dass Apophis die Erde überhaupt erst im Jahr 2036 theoretisch treffen könnte. Daniel Scheeres (den „Bild“ Scheerer nennt), von der University of Michigan, hat dafür, laut „Zeit“ und Spiegel-Online, eine Wahrscheinlichkeit von 0,02 Prozent errechnet.

Mit Dank für die zahlreichen sachdienlichen Hinweise