Als mit Akif Pirinçci noch gut Currywurst essen war

Die Medien diskutieren momentan, wie Akif Pirinçci seine grässliche KZ-Aussage („Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“) am Montagabend bei der „Pegida“-Kundgebung genau meinte. Dass seine Rede in Dresden furchtbar war, darauf können sie sich hingegen einigen. Auch „Bild“ und Bild.de:

Das sei eine „Hetzrede des irren Autors“ gewesen. Sowieso falle Pirinçci schon seit 2012 „durch rechte Äußerungen in Blogs auf.“ Und seine Bücher erst:

Im März 2014 hetzt er in seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ gegen Frauen, Schwule und Zuwanderer („Manuscriptum“-Verlag).

Nanu? Damals, „im März 2014“, fanden die „Bild“-Medien Pirinçcis „Deutschland von Sinnen“ eigentlich noch ganz spannend:

Von Hetze ist im Currywurstbudenbericht von „Bild am Sonntag“-Reporterin Anja Hardenberg keine Rede. Das Buch sei „schonungslos“, von einem geschrieben, „der politisch völlig unkorrekt ist.“

Ein paar Tage später legte Hardenberg bei einem zweiten Treffen mit Pirinçci noch einmal nach:

Pirinçci — laut Teaser möglicherweise ein Genie — liebe den „kalkulierte[n] Tabubruch“:

Wer ist dieser Pirinçci, der mal eben die politische Korrektheit schreddert?

Antwort:

Pirinçci, in dessen Krimis das Blut in Strömen fließt, ist eigentlich ein sympathisches Weichei.

Und:

Der Mann, der sich so wortmächtig über deutsches Schubladendenken und kulturelle Arroganz ereifert, ist ein verkappter Romantiker.

Während Akif Pirinçci aus heutiger „Bild“-Sicht in „Deutschland von Sinnen“ „gegen Frauen, Schwule und Zuwanderer“ „hetzt“, hieß es vor eineinhalb Jahren über das „Pöbel-Buch“ noch:

Darin ledert er gegen Frauenquote, Homosexuelle, Öko-Fundamentalisten und anmaßende Zuwanderer.

„BamS“ und Bild.de fanden das Abledern damals anscheinend so interessant, dass sie nicht nur werbewirksam Preis und Verlag des Buches nannten, sondern ihren Lesern auch noch eine Leseprobe spendierten:

Kurz darauf durfte Akif Pirinçci in „Bild am Sonntag“ und auf Bild.de sogar als Gastautor über einen Deutschlandauftritt des türkischen Präsidenten Erdoğan schreiben:

Ein Hetzer als „Bild“-Autor. Unvorstellbar.

Siehe auch: