Springer gegen „Spiegel“, Gäste bei „Günther Jauch“, Sex-Tipp-Quiz

1. Eine gruselige Allianz
(taz.de, Jürn Kruse)
Die aktuelle Titelgeschichte des „Spiegel“ zur angeblichen schwarzen DFB-Kasse wird heftig diskutiert, auch im „Sport1“-Fußballtalk „Doppelpass“ und in der „Bild“-Zeitung. Um Aufklärung gehe es dabei aber nur vordergründig, schreibt Jürn Kruse: „Wichtiger ist das Unglaubwürdigmachen der Ausgangsgeschichte und das Reinwaschen der Beschuldigten.“ Oliver Fritsch beobachtet ebenfalls, dass sich die Stimmung drehe: „Plötzlich muss der ‚Spiegel‘ Fragen zur WM-Vergabe beantworten, nicht der DFB.“ Eine gute Übersicht zum neu entflammten „Klassiker unter den deutschen Medienkonflikten“ liefert Imre Grimm.

2. 58 Minuten Ratlosigkeit
(sueddeutsche.de, Ulrike Nimz)
AfD-Gründungsmitglied Alexander Gauland, Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel — und nun auch Björn Höcke, Fraktionschef der AfD in Thüringen. Zumindest eines kann man der Redaktion von „Günther Jauch“ nicht vorwerfen: Dass sie einen Bogen um unbequeme Gäste mache oder gar die Meinungsfreiheit unterdrücke. Mit dem Auftritt Höckes am vergangenen Sonntagabend hat sich Jauch allerdings keinen Gefallen getan, da sind sich die Kommentatoren einig. Ulrike Nimz diagnostiziert dem Moderator Hilflosigkeit, der Publizist Christian Nürnberger warnt eindringlich davor, einem „rechtsradikalen Hetzer“ wie Höcke eine Bühne zu geben, und Andrea Dernbach glaubt, dass Jauch und sein Team die eingangs gestellte Frage mit der Einladung selbst beantwortet hätten: „Pöbeln, hetzen, drohen — wird der Hass gesellschaftsfähig?“ Offensichtlich: ja. Noch mehr Pressestimmen hat Knut Kuckel gesammelt.

3. Extremely Public Relations
(theawl.com, John Herrman, englisch)
Die „New York Times“-Recherche zu den katastrophalen Arbeitsbedingungen bei Amazon war eine der meistbeachtetsten und folgenreichsten Veröffentlichungen des Jahres. Zwei Monate nach dem Erscheinen wirft Amazons Jay Carney (ehemaliger Pressesprecher des Weißen Hauses) der „NYT“ schlampige Recherche und fragwürdigen Umgang mit Quellen vor. Vier Stunden später antwortet ihm Dean Banquet, Chefredakteur der so gescholtenen Zeitung — was wiederum Carney nicht auf sich sitzen lassen will und seine Vorwürfe wiederholt. John Herrman nimmt diese eher absurd anmutende Auseinandersetzung als Anlass für einen klugen Text über das Verhältnis von Tech-Konzernen und Medien: Wer besitzt im Zeitalter der Digitalisierung die öffentliche Deutungshoheit?

4. Leuchten LEDs meistens blau und sind LED-Leuchten ökologisch bedenklich?
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Wolfgang Messer ärgert sich über zwei Zitate aus dpa-Berichten zu LEDs. Der Licht-Blogger erklärt, warum die Lampen nicht schlecht für die Augen sind und auch nicht per se ökologisch bedenklicher als normale Glühlampen sein dürften.

5. Wortfindungshilfe der neuen deutschen Medienmacher: Geflüchtete statt Asylanten
(deutschlandfunk.de, Swantje Unterberg, Audio, 3:27 Minuten)
In den Medien liest man häufig vom „Flüchtlingsstrom“ oder einer „Flüchtlingswelle“, als rolle eine Naturkatastrophe auf Deutschland zu. Der Verein „Neue deutsche Medienmacher“ will dafür sensibilisieren, auch bei diesem Thema genau auf die Sprache zu achten. Das Ziel: „präzise zu formulieren statt irgendeinen Begriff zu nehmen, der einem gerade in den Kopf komme.“

6. Entsorgt (10): What would Cosmo do? Ein Sex-Tipp-Quiz
(kioskforscher.wordpress.com, Markus Böhm)
Markus Böhm forscht wieder am Kiosk, dieses Mal zu Frauen- und Männerzeitschriften mit ihren Universal-Sex-und-Liebesratschlägen. „Beim Lesen mancher Artikel frage ich mich, ob auch nur ein Redaktionsmitglied die Tipps befolgt, die sein Magazin veröffentlicht.“ Die Ergebnisse seiner Untersuchung hat er in ein Quiz gepackt.