Erwachsen auf Probe, Verzettelung

Hysterie um „Erwachsen auf Probe“, Einstellung der Kommentarfunktion bei dasmagazin.ch, Joggen und Sex gegen Verzettelung, niedere Reize im Boulevard. Die Presseschau.

1. „Die Hysterie um ‚Erwachsen auf Probe'“

(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)

„Ist es nicht toll, in einem Land zu leben, in dem es mehr Kinderschutzvereine gibt als Kinder? Und in dem die größte Gefahr, die diesen Kindern droht, die Produktion und Ausstrahlung einer Fernsehsendung ist?“

2. Interview mit Helmut Thoma

(tagesspiegel.de, Joachim Huber und Kurt Sagatz)

Auch Helmut Thoma äussert sich zur RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe„: „Als ob da Babys an völlig Unbekannte gegeben würden. Es sind doch alle Teilnehmer gecastet, und es steht dauernd jemand dabei. Im realen Leben ist die Gefahr viel größer, dass Eltern an einen jungen Babysitter geraten, der noch völlig unerfahren ist.“

3. „Das Magazin – Schluss mit Kommentieren im Web“

(persoenlich.com)

Finn Canonica, Chefredakteur des „Magazins„, versteht das „Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism“ nicht und ist „skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet“. Deshalb stellt er ohne Ankündigung nach zwei Jahren die Online-Kommentare ein, die ihm „manchmal sehr ‚dahingerotzt'“ erschienen. Mehr dazu im Henusode Blog und beim Journalistenschredder.

4. „Journalismus am Nullpunkt“

(heinz.typepad.com)

„Journalismus kann sich nicht mehr so finanzieren wie bisher, und zugleich verändern sich seine Rolle und seine Formen radikal. Wer heute Journalist wird, weiß weder, wovon er in Zukunft leben wird, noch wie seine Arbeit aussehen wird.“

5. „Sex sells, again and again“

(presseverein.ch)

„Blech, Blut und Busen. Im Boulevard braucht’s niedere Reize. Ob Pornosprüche im Dutzend auf 20 Minuten oder anzügliche Schlagzeilen zu irgendwelchen Themen beim Blick. Die verlegenen Verleger hatten sich das anders vorgestellt.“

6. „Cogitus interruptus – Googeln, Bloggen und Twittern“

(nzz.ch, Eduard Kaeser)

Der Physiker und Philosoph Eduard Kaeser schreibt über die neuzeitlich alltägliche Verzettelung: „Ehe ich michs versah, war meine Hauptaufmerksamkeit auf zwei oder drei Nebenspuren verzettelt. Ich fand nicht mehr zur Konzentration auf die ursprüngliche Arbeit zurück. ‚Cogitus interruptus‘ nenne ich das für mich. Dagegen kenne ich zwei Mittel: Sex oder Joggen. Sie fügen mich wieder zusammen.“