Der IQ ist nur was für Schlaue

Anscheinend halten in Deutschland plötzlich ganz viele Eltern ihre Kinder für hochbegabt. „Der Spiegel“ mokiert sich darüber in seiner aktuellen Ausgabe. Eine „Hochbegabten-Hysterie“ sei ausgebrochen, zitiert das Nachrichtenmagazin einen Schulpsychologen. Dabei gebe es keinen Beweis, dass die Kinder in Deutschland tatsächlich mit einem Mal so viel intelligenter geworden seien:

Nach allem, was Forscher wissen, hat sich indes kein Evolutionssprung ereignet in der Blauen Lehmkuhle und anderen Soziotopen der Republik: Der Anteil der Hochbegabten mit einem IQ von über 130 liegt konstant bei etwa zwei Prozent.

Das ist — uns fällt in diesem Kontext leider kein treffenderes Wort ein — ein etwas dummer Satz. Der Anteil der Hochbegabten mit einem Intelligenzquotient von über 130 liegt immer konstant bei etwa zwei Prozent. So ist er nämlich definiert.

Der IQ ist keine absolute, sondern eine relative Größe. Er gibt an, wie intelligent eine Person im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist — man spricht deshalb auch vom „Abweichungs-Intelligenzquotienten“. Ein IQ von 100 entspricht nicht irgendeiner bestimmten Menge von Intelligenz, sondern der jeweiligen durchschnittlichen Intelligenz. Die Skala ist so definiert, dass 50 Prozent der Bevölkerung einen IQ von mindestens 100 haben, 16 Prozent einen IQ von mindestens 115 und 2,2 Prozent einen IQ von 130 oder mehr.

Einen „Evolutionssprung“ könnte man also am IQ nicht messen — und an der Zahl der über den IQ definierten „Hochbegabten“ auch nicht. Das sind, per definition, immer gut zwei Prozent.

Klingt komisch, ist aber so. Und könnte man eigentlich wissen, wenn man einen großen Artikel über Hochbegabte schreibt.

Mit Dank an Hauke S.