Fanproteste gegen die „Bild“, Türkei, Vorratsdaten

1. „Es wirkt befremdlich“
(11freunde.de, Andreas Bock)
Nach dem FC St. Pauli haben gestern dreieinhalb weitere Fußballklubs der „Bild“-Aktion „Wir helfen“ abgesagt. Die Fan-Organisation „Unsere Kurve“ fordert in einem offenen Brief alle Teams der 1. und 2. Bundesliga auf, am Wochenende nicht an der „Bild“-Kampagne teilzunehmen. Im Interview mit 11freunde.de erklärt ihr Sprecher, warum die „Interessenvertretung der Fans aller Vereine“ gegen die „Wir helfen“-Aufnäher ist. Das Verhalten von „Bild“-Chef Kai Diekmann, der nur Vollgas kenne, „auch wenn die Karre längst feststeckt“, kommentiert Jürn Kruse in der „taz“. Die Website „Faszination Fankurve“ und der Journalist Sören Kohlhuber versuchen, einen Überblick zu behalten, welcher Verein bei „Wir helfen“ mitmacht, welcher nicht, und welche Fangruppen ihre Klubs auffordern, sich der Aktion zu verweigern. Dass es der „Bild“ bei ihrer Kampagne vor allem um die „Bild“ geht, hatte Stefan Niggemeier bereits am Wochenende im Gespräch mit „DRadio Kultur“ gesagt; im „Neo Magazin Royale“ versucht Jan Böhmermann, das auch „dem kleinen Mann“ zu erklären. „Eine Zeitung“ beruhigt indes die verwirrten „Bild“-Leser mit der Ankündigung, das Blatt werde im Oktober „die erfolgreiche Kampagne ‚Wir hetzen'“ wieder aufnehmen.

2. FanRun mit Fragezeichen
(miasanrot.de, Jan)
Eine undurchsichtige Organisationsstruktur, kein Anschluss unter einer angegebenen Telefonnummer, Intransparenz bei der Verwendung der Spenden — es gibt ein paar Merkwürdigkeiten rund um den Charity-„FanRun“, den der FC Bayern München zusammen mit der „Bild“ veranstaltet. Das Bayern-Blog „Miasanrot“ versucht herauszufinden, wer und was dahintersteckt. Frank Helmschrott hat zum Artikel ein Recherche-Storify gebastelt.

3. Kritische Medien unerwünscht
(taz.de, Jürgen Gottschlich)
In sechs Wochen wird in der Türkei neu gewählt, und dementsprechend erhöht Präsident Erdogan den Druck auf die letzten kritischen Medien des Landes. Jürgen Gottschlich befürchtet, dass die Einschüchterungspolitik die Stimme der „Hürriyet“ zum Verstummen bringen könnte — und Kritik an der AKP folglich nur noch in kleinen Zeitungen und Sozialen Medien geäußert würde. Eine gute Zusammenfassung von Erdogans Offensive gegen die Pressefreiheit gibt Thomas Seibert im „Tagesspiegel“.

4. What happened after 7 news sites got rid of reader comments
(niemanlab.org, Justin Ellis, englisch)
„Recode“, Reuters, „Popular Science“, „The Week“, „Mic“, „The Verge“ und „FTW“ von „USA Today“ — diese Medien haben im Laufe des letzten Jahres ihre Kommentarfunktion abgeschaltet. Justin Ellis hat bei den Verantwortlichen nachgefragt: Warum? Auf welche Kanäle hat sich das Nutzer-Feedback verlagert? Und wie fällt die vorläufige Bilanz aus?

5. Alles durchleuchtet
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Was würde die Vorratsdatenspeicherung für den Informantenschutz bedeuten? Der Journalist Daniel Moßbrucker hat sich mehr als 40 Tage lang selbst überwacht — mit genau den Mitteln, die auch Strafermittlern zur Verfügung stünden. Sein Fazit: „Das Netz der Daten ist viel enger, als ich erwartet hatte. […] Darum reicht es für Informantenschutz nicht mehr, sich auf Paragrafen in der Strafprozessordnung zu verlassen. Man muss sich bewusst machen, dass man theoretisch die ganze Zeit durchleuchtbar ist.“

6. Facebook führt automatisch wechselndes Aktions-Profilbild ein
(der-postillon.com)