In nur vier Stunden vom Obdachlosen zum Perser

Helge Schneider hat für seine Zivilcourage mal ordentlich Prügel kassiert. Das hat er vergangenen Woche in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (mit Bezahlschranke) erzählt:

Aber viele Künstler sind sehr verliebt in die Regel: Die Politik ist hilflos, wir müssen jetzt ran.

Wenn einem etwas direkt im Alltag begegnet, muss man schon ran. Das nennt man Zivilcourage, hab‘ ich auch schon mal gemacht.

Was war passiert?

Das waren zwei Typen, die wollten einen Perser verkloppen. Da bin ich dazwischengegangen. Der konnte wegrennen. Dann hab‘ ich das abgekriegt.

Wurden Sie verletzt?

Es hielt sich im Rahmen. Ich hatte den Kiefer angebrochen. […]

Schneider, Schlägerei, angebrochener Kiefer — klar, dass das auch andere Medien aufgreifen. Zum Beispiel „Spiegel Online“

… oder stern.de

… oder welt.de:

Und auch „Focus Online“. Doch dort klingt die Geschichte schon in der Überschrift etwas anders:

Und Helge Schneider erzählt auf einmal eine ganz neue Version des Vorfalls:

„Das waren zwei Typen, die wollten einen Penner verkloppen. Da bin ich dazwischengegangen“, erzählte der Komiker und Musiker der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag.

Bei morgenpost.de ist ebenfalls von einem „Penner“ die Rede.

Der Protagonistenwechsel dürfte durch eine fehlerhafte dpa-Meldung entstanden sein. Die Nachrichtenagentur hatte am Samstagmittag den „Penner“ ins Spiel gebracht und erst vier Stunden später eine Korrektur verschickt, mit dem Hinweis: „Berichtigung: Wort im zweiten Satz berichtigt“.

Das interessierte offenbar weder „Focus Online“ noch morgenpost.de: Ihre falschen Artikel veröffentlichten beide Redaktionen erst, als die dpa-Korrektur schon Stunden raus war.

Dass ein Medium durchaus auf Agentur-Berichtigungen reagieren — und das auch noch der Leserschaft transparent präsentieren — kann, beweist diepresse.com:

Anmerkung der Redaktion: Quelle dieses Artikels ist die Nachrichtenagentur DPA. Diese hat in einer ersten Meldung von einem „Penner“ geschrieben, später allerdings auf „Perser“ korrigiert. Wir bedauern den Irrtum.

Mit Dank an Hansi!