Pizzabäcker schlauer als „Bild“

Im Interesse der „Bild“-Redaktion möchten wir die Nachrichtenagentur AP bitten, ihre Meldungen etwas präziser zu formulieren, damit sich künftig seltener solche peinlichen Fehler bei „Bild“ einschleichen:

Aus Protest gegen den Bundeswehreinsatz im Irak bediente Pizzabäcker Aage Bjerre (46) aus Kopenhagen (Dänemark) keine deutschen Touristen mehr.

So steht’s heute in einer kleinen Meldung („Deutschenhaß! Pizzabäcker muß in Haft“) — Und auch wer weltpolitisch nicht besonders bewandert ist, dem wird auffallen, dass hier etwas nicht stimmen kann. Hatte sich der Bundeskanzler nicht explizit gegen den Irak-Krieg und einen Bundeswehreinsatz im Irak ausgesprochen? Doch, hatte er, und die Bundeswehr ist auch nach wie vor nicht im Irak vertreten.

Hat sich also der dänische Pizzabäcker geirrt? Natürlich nicht, „Bild“ hat sich geirrt. So lautet die AP-Meldung, die offenbar Vorlage für die „Bild“-Meldung war, im Original:

46-Jähriger verweigerte wegen deutschen und französischen Protests gegen Irak-Krieg Touristen auf Fanö die Bedienung (…)

Aage Bjerre hatte kurz vor Beginn des Irak-Kriegs im Februar 2003 Schlagzeilen mit der Ankündigung gemacht, er werde Touristen aus Deutschland und Frankreich wegen der Irak-Politik ihrer Regierungen keine Pizza mehr verkaufen.

Für „Bild“ ist das offenbar nicht eindeutig genug.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Michael und Kai

Nachtrag. Übrigens kommt Aage Bjerre offenbar auch nicht aus Kopenhagen, wie „Bild“ schreibt, sondern wohl eher von der Insel Fanö, die bei Esbjerg in der Nordsee, rund 300 Kilometer westlich von Kopenhagen, liegt. Dort befand sich jedenfalls laut AP sein Restaurant. Nachdem Bjerre das schließen musste, war er auf die Faröer ausgewandert. Kopenhagen taucht lediglich als sogenannte „Ortsmarke“ in der AP-Meldung auf.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Florian F.