Sie sind hübsch und

Was haben Melanie W. und Anna-Lena Grönefeld gemeinsam? Eigentlich: fast nichts. Aber eben nur fast.

Melanie W. sitzt wegen Kokainschmuggels in Brasilien im Gefängnis und hat kürzlich an der merkwürdigen Wahl zur „Miss Knast“ teilgenommen. „Bild“ druckte deswegen reihenweise „erotische“ Fotos der 21-jährigen Berlinerin, dem „schönen Knast-Mädchen“, und berichtete:

„Brasiliens ‚Miss Knast‘ ist eine Deutsche.“

Aber das stimmt nicht (wie „Bild“ ja selbst weiß und schreibt: Melanie W. hat bei der Miss-Wahl in Brasilien den zweiten Platz belegt, ist also quasi „Miss Vize-Knast“ [siehe „B.Z.“]).

Anna-Lena Grönefeld wiederum hat nicht nur ein „süßes Lächeln“ und eine „lockere Art“, sondern auch „schlanke Beine“ und einen „blonden Pferdeschwanz, der auf dem Platz hin- und herfliegt“. Ach ja: Außerdem kann die 20-Jährige gar nicht übel Tennis spielen.

„Bild“ schreibt:

„Sie ist hübsch und schaffte es bis ins Wimbledon-Finale. (…) Beim Tennis-Klassiker von Wimbledon hat’s unsere Anna-Lena Grönefeld bis ins Finale geschafft! An der Seite von Martina Navratilova unterlag Anna erst im Endspiel gegen das Weltklasse-Duo Kusnezowa/Mauresmo mit 4:6, 4:6.“

Auch das ist falsch (wie zum Beispiel die „Welt am Sonntag“ und dpa berichten): Grönefeld und Navratilova sind nämlich bereits im Halbfinale gegen Amelie Mauresmo und Swetlana Kusnetzowa ausgeschieden, die im Finale wiederum gegen Cara Black und Liezel Huber verloren.

Aber wer interessiert sich schon für Fakten, wenn es bloß darum geht, Fotos von gut aussehenden jungen Frauen abzudrucken? „Bild“ jedenfalls nicht.

Dank für die sachdienlichen Hinweise an Sascha und Marius M.-F.