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Fälschen und Tricksen für den Grexit

„Bild“ war nach eigenen Worten immer schon für den „Grexit“. Und nun sind es endlich auch alle anderen Medien.

Natürlich stimmt die Überschrift schon deshalb nicht, weil nicht „alle“ für den „Grexit“ sind, sondern nur einige – aber das kann man noch als Stilmittel verbuchen (wenn auch eher ein literarisches als ein journalistisches): ὑπερβολή nannten die alten Griechen (!) eine solche Übertreibung, „Hyperbel“.

Aber um zu belegen, dass viele Medien jetzt angeblich plötzlich für den „Grexit“ sind, schreckt „Bild“ auch vor Fälschungen und groben Irreführungen nicht zurück. So zitiert das Blatt die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) mit den Worten:

„Ein Grexit muss für Griechenland keineswegs jenes ökonomische und finanzielle Desaster darstellen, als das er oft präsentiert wird.“

Das Zitat hat „Bild“ gefälscht. Tatsächlich schrieb die NZZ:

Ein ‚Grexit‘, so das Fazit, müsse daher für Griechenland keineswegs jenes ökonomische und finanzielle Desaster darstellen, als das er oft präsentiert werde.

Den Konjunktiv „müsse“ hat „Bild“ einfach durch „muss“ ersetzt – und verschleiert so, dass die NZZ hier das Urteil eines anderen zitiert: eines Forschungsinstitutes namens „Oxford Economics“.

Dass die „Süddeutsche“ sich nun für einen „Grexit“ ausspreche, belegt „Bild“ mit folgendem Zitat:

„Eine Eurozone mit 18 Mitgliedern wäre schon am Tag eins nach dem Ausstieg Athens stabiler und damit überlebensfähiger. Schon der Beitritt Athens 2001 war politisch mehr gewollt als ökonomisch gerechtfertigt.“

Das steht tatsächlich auf sueddeutsche.de. In einem Artikel, der überschrieben ist mit „Pro Grexit: Kein Grund zur Panik“. Er ist Teil eines Pro & Contra, in dem es entsprechend auch ein „Contra“ gibt („Contra Grexit: Der Anfang vom Ende“).

Aus einem Pro & Contra über den „Grexit“ macht „Bild“, dass die „Süddeutsche Zeitung“ für den Grexit plädiert.

Im „Wall Street Journal“ hat „Bild“ folgendes Zitat entdeckt:

„Es ist nicht so, als ob Griechenlands Probleme nicht ernst wären. Aber für die Finanzmärkte wäre ein Grexit kein Grund zur Panik.“

Das ist nicht ganz falsch, aber auch da hilft es, das komplette Zitat zu lesen:

With Greece back in recession, the questions about the fate of the Achaeans is only going to grow. But, if you’re a stock investor, especially a U.S. stock investor, how worried should you really be? (…)

This isn’t to say Greece’s problems aren’t serious, or that an exit from the euro wouldn’t have serious ramifications. But for stock investors, it may not be a cause for panic.

Mit anderen Worten: Das „Wall Street Journal“ räumt ein, dass ein „Grexit“ „ernsthafte Auswirkungen“ hätte – aber wenigstens für Börsenanleger, vor allem amerikanische Börsenanleger, muss es nicht unbedingt ein großes Problem werden. Das sind natürlich beruhigende Nachrichten – für amerikanische Börsenanleger.

Auch die „New York Times“ sei nun für den „Grexit“, schreibt „Bild“, und suggeriert das mit diesem Zitat:

„Eine Sache ist klar: Wenn es eine Einigung mit Griechenland gibt, ist diese nur das Vorspiel für die nächste Krise in den nächsten Monaten.“

Ja, stand so in der „New York Times“ – in der „Op-Ed“-Kolumne von Roger Cohen. „Op-Ed“ steht für „gegenüber der Leitartikel-Seite“ und ist die Seite, auf der die „New York Times“ Raum gibt für Meinungen, die ausdrücklich nicht ihrer eigenen redaktionellen Meinung entsprechen müssen. Die „New York Times“ selbst warnt ausdrücklich vor einem „Grexit“.