Obama, dpa, Elektroschocks

Barack Obama umgeht die etablierten Korrespondenten, Verleger sind Hasenfüsse und beuten freie Mitarbeiter aus und Journalisten warten. Auf andere Journalisten. Die Presseschau.

1. „Der YouTube-Präsident düpiert die Starreporter“
(spiegel.de, Marc Pitzke)
„US-Präsident Obama liebt es, sich im Internet direkt an die Bürger zu wenden – das Nachsehen haben die etablierten Korrespondenten im Weißen Haus. Sie fürchten um ihre Exklusivität und reagieren vergrätzt.“

2. „Fertig mit lustig“
(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)
Wenn sich eine Branche von Oligarchen oder vom Staat helfen lasse, dann sei es richtig übel um sie bestellt: „Verleger sind Hasenfüsse. Bei Gegenwind verlieren sie schnell den Glauben an sich selbst und scheuen jedes Risiko. In Krisenzeiten können darum externe Investoren immer extrem billig in die Medien einsteigen, weil sie mehr Courage haben.“

3. „Verlage beuten freie Mitarbeiter aus“
(ndr.de, Video, 9:19 Minuten)
Niemand bezahlt ihnen Reisespesen oder Telefonkosten und sie verdienen weniger als Bäcker. Und dann sind sie auch noch gezwungen, den Verlagen die Verwertungsrechte abzutreten. Die freien Journalisten.

4. „Rückzug der WAZ lässt DPA wanken“
(ftd.de, Lutz Knappmann und Heiko Metzger)
„Mit ihrer Entscheidung, die Dienste der Deutschen Presse-Agentur (DPA) für einige Titel abzubestellen, greift die WAZ Mediengruppe offen das Geschäftsmodell der größten deutschen Nachrichtenagentur an.“

5. „Medien können nicht ohne dpa – denn da bleibt nichts mehr über“
(weblog.wanhoff.de, Thomas Wanhoff)
Das Dilemma des (deutschen) Journalismus, vor allem bei Tageszeitungen: „Man wartet. Auf Agenturen. Auf die Tagesschau. Auf CNN. Kaum ein Redakteur greift noch zum Telefon und ruft in der Hertiepressestelle an, was denn da los ist. Oder recherchiert selbst eine Geschichte. Oder weiss gar im Voraus, dass Hertie Filialen schliessen wird.“ (…) „Letztlich stehen die Medien ohne die Agenturen da wie Blogger ohne Medien: Inhaltslos.“

6. „Eine Neuauflage des Milgram-Experiments“
(nzz.ch, Ralph Erich Schmidt)
„Zu Beginn der sechziger Jahre fanden sich in einem aufsehenerregenden Experiment rund zwei Drittel der Teilnehmer bereit, auf Geheiss einer Autoritätsperson einen Menschen mit starken Elektroschocks zu bestrafen. Eine Neuauflage des Versuchs hat nun ergeben, dass die Gehorsamsbereitschaft seither kaum abgenommen hat.“