Krieg, Maden, Taxifahrten

Hintergründige Gespräche im Dschungelcamp, eine Taxifahrt mit zwei Unfällen, Satire als PR und das Magazin „Cicero“, das sich entschuldigt, Aussagen veröffentlicht zu haben. In der Presse- und Blogschau heute.

1. „Krieg – Live im israelischen Wohnzimmer“
(andremarty.com)
Der israelische Privatsender Channel 10 telefoniert während dem Krieg immer mal wieder mit Ezzeldeen Abu al-Aish, einem palästinensischen Gynäkologen. Ein Anruf des Senders erfolgt, nachdem sein Haus von einem israelischen Panzer beschossen wurde: „Drei seiner Töchter sind tot, die 22jährige Bisan, die 15jährige Mayer und die 14jährige Aya. Seine 14jährige Nichte Nour und eine weitere Tochter sind verletzt.“ Die sehr emotionale Live-Schaltung ist auf YouTube zu sehen (youtube.com, Video, 4:18 Minuten).

2. „Die Maden und die Medien“
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Die von Gatekeepern befreite RTL-Sendung „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ zeigt eigene Qualitäten. Stefan Niggemeier fragt sich, „wann je zuvor so viele Fernsehzuschauer in einer Unterhaltungssendung so viel über Transsexualität erfahren haben. Wie absurd, dass ausgerechnet in dieser bizarren, künstlichen Extremsituation im australischen Dschungel Gespräche entstehen, die dem schwierigen Thema angemessener sind als die übliche Boulevardberichterstattung.“

3. Interview mit Leo Fischer
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Leo Fischer, der 27-jährige Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic, will sein Bestes geben, freut sich über Klagen und kämpft mit Bedeutungsverlust: „Die meisten Politiker der Postmoderne verstehen Satire inzwischen aber wohl als PR.“

4. „Vertrauliches Gutachten kritisiert Missstände beim Schweizer Fernsehen „
(sonntagszeitung.ch, Sebastian Ramspeck)
Peter Nobel, „einer der bekanntesten Rechtsprofessoren und Wirtschaftsanwälte der Schweiz“, überreicht dem Kommunikationsdepartement und der Wettbewerbskommission ein 43-seitiges Dokument: „Sein Fazit: SF missbraucht seine ‚marktbeherrschende Stellung‘ und verletzt das Kartellgesetz.“

5. „Deutscher Journalismus, nackt“
(politplatschquatsch.com)
Cicero entschuldigt sich dafür, etwas geschrieben zu haben, das die deutsche Politikerin Sahra Wagenknecht tatsächlich gesagt hat. „Wir bedauern diesen Fehler und veröffentlichen deshalb im Folgenden den vereinbarten Text.“

6. „Doppelrums“
(chinablog.ch, Lu Hai Rui)
Bericht aus Shanghai: „Gestern stellte ich einen neuen Rekord auf. Ich angelte mir einen Taxifahrer, der auf einer Strecke von zehn Kilometern nicht einen, sondern zwei Unfälle baute. Ohne Witz.“