China, Weltvereinfacher, Heidi

China schliesst Blogs und investiert Milliarden in seine Staatsmedienmacht. Dazu bedeutungslose Meinungsumfragen, ärgerliche Abowerbung und Heidi Happy, die bloggt, wie Journalismus geht. Die Presseschau.

1. „China geht mit neuer Wucht gegen kritische Blogger vor“
(sueddeutsche.de, Henrik Bork)
Das liberale Blog bullog.cn wurde vergangene Woche „im Rahmen einer Kampagne gegen Pornographie im Internet“ zusammen mit „insgesamt 91 Webseiten“ geschlossen. „Am Freitag vergangener Woche erhielt Luo eine E-Mail der Zensoren. ‚Ni hao‘, guten Tag, meldete sich höflich das Pekinger Amt für Telekommunikation (Beijingshi Tongguanju). Bullog.cn habe ’schädliche Informationen über aktuelle Ereignisse und Politik‘ verbreitet, teilten die Genossen ganz sachlich mit. Kurz darauf merkte Luo, dass seine Blog-Plattform im Internet nicht mehr aufrufbar ist.“

2. „China – Fünf Milliarden für Propaganda“
(fr-online.de, Bernhard Bartsch)
„Chinas Exporte sollen einen neuen Markt erobern: den Markt für Informationen und Meinungen. 45 Milliarden Yuan, umgerechnet fünf Milliarden Euro, hat die Pekinger Regierung eingeplant, um ihre Staatsmedien zu einem global agierenden Propagandaapparat auszubauen. Er soll die Berichterstattung im Ausland beeinflussen und Chinas Image in der Welt verbessern.“

3. „Die Heuschrecke geht, das Sparschwein bleibt“
(nzz.ch, ras.)
David Montgomery ist weg, die Medien jubeln – zu Unrecht, findet ras., der Finanzinvestor sei nichts mehr als ein „medienpolitischer Blitzableiter“: „Nach seinem Abgang werden sich die besorgten Branchenbeobachter vermehrt mit der Tatsache konfrontieren müssen, dass die einheimischen ‚klassischen‘ Medienmanager nicht wirklich zimperlicher als der Mann von drüben vorgehen. Der Spardruck ist in den meisten Betrieben enorm. Die publizistischen Tabuzonen schrumpfen schnell. Das Undenkbare wird Realität.“

4. „Die Weltvereinfacher“
(miriammeckel.de)
Miriam Meckel stört sich an den sinnfreien Abstimmungen auf Online-Portalen am Beispiel welt.de: „Das hat weder mit Journalismus noch mit Meinungsbildung zu tun, aber es kann für Minuten die Aufmerksamkeit der Nutzerinnen und Nutzer binden, die einmal klicken dürfen und glauben sollen, ihre Meinung bedeute irgendetwas. Im Hintergrund zählt eine Webstatistik die Clicks, die Clicks zählen umgekehrt nix.“

5. „Ihre Meinung ist uns wichtig!“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
„zeitungen werden nicht wegen dem internet oder der wirtschaftskrise oder wegen dem boulevardesquen schrott mit dem sie ihre leser langweilen untergehen. sie werden untergehen, weil sie — oder genauer ihre macher — ihre leser tief im inneren für dumm halten und ihnen das auf eine zwar verlogen-verdeckte art, aber doch mit einem colgate-lächeln direkt ins gesicht sagen.“

6. Heidi Happy über die Begegnung mit einer Journalistin
(kulturplatz.blog.sf.tv, Heidi Happy)
Die Schweizer Popmusikerin Heidi Happy wird von einer Journalistin geweckt, die „vor Redaktionsschluss unbedingt noch ein paar belanglose Fragen von mir beantwortet haben wollte“. Ein klassischer Blogeintrag mit zwei Absätzen, die man lesen sollte.