Nekrolog, Paviane, Nuhr

Gangs von Pavianen machen Südafrika unsicher, Christoph Mörgeli schreibt wieder, Dieter Nuhr blickt zurück und das Potenzial von Blogs ist noch längst nicht ausgeschöpft. Die Presseschau.

1. „Nekrolog 2008“
(retromedia.de, Jens Schröder)
Der/das jährliche Nekrolog der nicht mehr erscheinenden Zeitschriften ist da, mit einem neuen Rekord von 95 verstorbenen Publikumszeitschriften. Darunter die Revue, die nach 62 Jahren eingestellt wurde. Ebenfalls eingestellt wurden einige auf medienlese.com getestete Zeitschriften, nämlich das Second Life Magazin SLM (Test), IQ Style (Test), Matador (Test) und blond (Test).

2. Interview mit Mitchell Stephens
(sueddeutsche.de, S. Weichert, A. Matschke und L. Kramp)
„Blogs gibt es etwa erst seit knapp sieben Jahren, ihr Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft! Wir haben eigentlich keine Ahnung, was das Internet an journalistischen Möglichkeiten in Zukunft noch alles bereithalten wird. Junge Menschen sind diejenigen, denen es obliegt, neue Ausdrucks- und Vermittlungsformen selbst zu entwickeln und auszuprobieren. Wir müssen also Lehre mit Pioniergeist verbinden und darüber grübeln, wie sich der Journalismus neu erfinden könnte.“

3. „SPIEGEL-Artikel über rechte Gewaltdelikte inhaltlich fern der Fakten und rhetorisch fragwürdig“
(spiegelblog.info, DHH)
Spiegel Online entfernt den Artikel „Gewaltdelikte in Deutschland – Zahl rechtsextremer Straftaten steigt drastisch“ und ersetzt ihn mit einer kurzen Korrektur. Auslöser war wohl die Kritik auf spiegelblog.info: „Jeder von einem Neonazi gezeigte Hitlergruß wird seit Frühjar 2008 genauso als rechtsextreme Straftat gewertet wie jedes von einem Linksradikalen auf ein CDU-Wahlplakat gepinseltes Hakenkreuz oder von einem Türken aus Jux an die Wand gesprühte SS-Runen. Dass diese Veränderung in der statistischen Zählweise auch einen Einfluss auf eine von SPIEGEL Online deklarierte ‚drastische Steigerung‘ haben könnte, liegt auf der Hand. SPIEGEL Online teilt seinen Lesern diese wesentliche Information aber nicht mit.“

Nachtrag: Über Engelbrecht und seine „journalistische“ und „wissenschaftliche“ Arbeit gibt es mehrere kritische Berichte – zum Beispiel bei ScienceBlogs und bei Esowatch. Mit dem Spiegelblog und der Argumentation des Autors hat sich Torsten Dewi ausführlich beschäftigt, erst mittels Kommentaren im Spiegelblog, jetzt in einem ausführlichen Beitrag in seinem Blog. (19.1.2009, ore)

4. „Wer hat das Butterbrot geklaut?“
(zeit.de, Till Hein)
Eine Reportage über Gangs von Pavianen in Südafrika: „Auf einer Wiese, im Schatten uralter Milkwood-Bäume, hat eine Urlauberin ihre Picknickdecke ausgebreitet. Sie nestelt an ihrem Rucksack, fischt ein Sandwich heraus. Plötzlich ein Rascheln – und aus dem Unterholz schleicht eine Horde struppiger, graubrauner Gestalten. In geduckter Haltung rücken sie näher, umzingeln die Frau. Der Größte packt sie am Arm und brüllt. Eckzähne, lang wie Dolchklingen, blitzen auf. Paviane! Kreischend lässt die Touristin ihr Sandwich fallen und stürzt davon. Der Chef-Pavian schnappt sich die Beute und schlingt sie schmatzend herunter. Seine Gang-Mitglieder leeren den Rucksack aus, wobei sie Orangen und eine Banane ergattern.“

5. „Bundesrat auf Bewährung“
(weltwoche.ch, Christoph Mörgeli)
Der kürzlich verunfallte Weltwoche-Kolumnist Christoph Mörgeli schreibt wieder und ärgert sich über die einhellige Einschätzung der Bundesratswahlen in der Schweizer Printpresse: „An den Kiosken finden sich viele bunte Zeitungstitel – doch daraus quillt ein einziger grauer Einheitsbrei. Im Gleichschritt hämmerten Blick (‚Bundesrat auf Bewährung‘), Neue Zürcher Zeitung (‚Bundesrat auf Bewährung‘), Basler Zeitung (‚Bundesrat auf Bewährung‘), der Berner Bund (‚Ueli Maurer – Bundesrat auf Bewährung‘) die gleichen Titel in die Tastatur. Auch der Chefredaktor des Tages-Anzeigers fand die identischen Grossbuchstaben für seinen Kommentar: ‚Bundesrat auf Bewährung‘. Wer schreibt hier wem hinterher? Die grösste Tageszeitung der zweitgrössten? Oder die zweitgrösste der grössten?“

6. „NUHR 2008 – Der Jahresrückblick“
(zdf.de, Video, 56:22 Minuten)
„Dieter Nuhr schaute zum Abschluss des Jahres 2008 in ironisch-witziger Art auf die Höhepunkte des Jahres und präsentierte seinen persönlichen Jahresrückblick.“ (Das Video ist leider nicht direkt verlinkbar wegen der unmöglichen ZDF-Mediathek. Ein Klick oben rechts sollte das Video öffnen.)