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Die Opfer, die „Bild“ bringt (4)

In Gaza sind gestern nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsverwaltung 129 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Beim Beschuss einer Schule der Vereinten Nationen, in die sich Tausende Menschen geflüchtet hatten, starben viele Kinder und humanitäre Helfer. Die USA verurteilten den israelischen Beschuss, kritisierten aber mit Blick auf die Hamas auch diejenigen, die die Verantwortung dafür tragen, dass Waffen in UN-Einrichtungen versteckt worden seien. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte: „Es gibt nichts Beschämenderes, als schlafende Kinder anzugreifen.“ Die Vereinten Nationen hätten Israel den Standort der Mädchenschule mehrfach mitgeteilt. „Ich verurteile diesen Angriff auf das Schärfste. Er ist durch nichts zu rechtfertigen.“

In der „Bild“-Zeitung (Bundesausgabe) steht dazu heute:

 

Nichts.

 

Die „Bild“-Zeitung legt die Selbstverpflichtung des Axel-Springer-Verlages, „die Lebensrechte des israelischen Volkes“ zu unterstützen, in besonderer Weise aus. Sie lässt eine Seite des Krieges einfach weg.

Die andere Seite kommt umso prominenter und permanenter vor.

An dem Tag, an dem die „Bild“-Zeitung keinen Platz fand, die Toten im Gaza-Streifen überhaupt nur zu erwähnen, berichtete sie groß von einer Reise deutscher Politiker mit „Bild“ nach Israel:

Es war eine Reise für für Frieden, Freundschaft und Verständigung!

„Höhepunkt“ der Reise sei ein Treffen mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman gewesen.

Am Vortag berichtete „Bild“ groß über Deutsche Touristen in Israel. Die getöteten Menschen im Gaza-Streifen, sie kamen hier nur in einer Weise vor, dass man glauben könnte, sie seien in Israel gestorben:

Außerdem ließ sich eine „Bild“-Reporterin von einem israelischen Soldaten die „Terror-Tunnel der Hamas“ zeigen und erzählt, dass durch einen solchen Tunnel Hamas-Kämpfer nach Israel eingedrungen seien und fünf israelische Soldaten erschossen hätten.

Und „Bild“ verkündete, dass die deutschen Politiker — „Auf Mission für Verständigung und gegen Judenhass in Israel!“ — in Israel gelandet seien und am nächsten Tag unter anderem Außenminister Avigdor Lieberman treffen würden.

Noch einen Tag zuvor, am Dienstag, bestand die Berichterstattung über den Gaza-Krieg in der „Bild“-Zeitung darin, anzukündigen, dass deutsche Politiker mit „Bild“ nach Israel reisen würden, um „ein Zeichen gegen Judenhass und Intoleranz“ zu setzen.

Solidarität mit Israel bedeutet für „Bild“, den Lesern eine Seite der Geschichte systematisch vorzuenthalten.

 

Archiv: Die „Bild“-Berichterstattung über Nahost-Kriege 2006 und 2009: