Online-Kommentare, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus

1. „Im Land der ‚gleichgeschalteten Medien'“
(fr-online.de, Katja Thorwarth)
Nach der FAZ („Meine Tage im Hass“) schreibt sich auch die FR ihren Frust über pöbelnde Online-Kommentatoren von der Seele. Neben der Wiedergabe vieler, „zum besseren Verständnis in Ansätzen korrigiert[er]“ Fäkalausdrücke macht Katja Thorwarth eine wichtige Feststellung: „Der Schrei über Zensur ist vollkommen deplatziert, denn Zensur kann nur dort greifen, wo es um das Grundrecht der Meinungsfreiheit geht. Und an diesem Punkt verwechseln viele User die Kommentarspalten im Internet mit dem Tresen ihrer Stammkneipe.“ Auf Twitter sind sich Stefan Plöchinger und Wolfgang Blau einig: Es hilt nur „gescheit moderieren“.

2. „Meinungsfreiheit ja, Beleidigung nein“
(dw.de, Naser Schruf)
Drei Tage und rund 180 Presserats-Beschwerden (derstandard.at) nach dem „herrlichen Shitstorm“ (stefan-niggemeier.de) melden sich die von Nicolaus Fest geschmähten Muslime zu Wort. Naser Schruf beleuchtet das laute und überwiegend empörte Echo in der arabischen Presse, Sanjay Patel kritisiert die langjährige „islamfeindliche Marschroute“ (migazin.de) der „Bild“, Canan Topçu wünscht „Bayramınız kutlu olsun“ (zeit.de), und Koray Yilmaz-Günay spricht in der „taz“ über Islamophobie unter Konservativen.

3. „Ton gegen Juden in Deutschland verschärft sich“
(berliner-zeitung.de, Thomas Kröter)
Die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel untersucht soziale Medien, Online-Kommentare, Chats und Foren auf antisemitische Äußerungen. Während Ausmaß und Intensität zugenommen hätten, sei eines gleich geblieben: „Über 60 Prozent kommen aus der sogenannten Mitte“ und leugnen „vehement, antisemitisch eingestellt zu sein“. Weniger Grund zur Besorgnis sieht dagegen der Historiker Wolfgang Benz (tagesspiegel.de).

4. „Wer ist der Kriegstreiber?“
(spiegel.de)
Als hätte der „Spiegel“ auf Alexander Becker gehört (meedia.de), steht im „SPIEGELblog“ erstmals seit Monaten keine Eigen-PR, sondern eine Rechtfertigung. Und zwar für das von Frank Lübberding kritisierte und vom Postillon bespottete (der „Löschbeirat“ vereint Kritik und Spott) Cover. Der Tenor: Weil die Artikel im Heft nicht kriegstreiberisch seien, ist die Titelzeile „Stoppt Putin jetzt!“ auf dem Heft ebenso harmlos.

5. „Wir brauchen kein Radio der Zukunft, wir brauchen es jetzt“
(diskurslabor.de, Tom Leonhardt)
Das „National Public Radio“ hat mit seiner neuen App „NPR One“ die „Idee von personalisierbarem Radio auf eine sehr stilvolle und gut umgesetzte Art und Weise salonfähig gemacht“. Ein Vorbild für deutsche Anstalten sieht Marc Krüger (netzpiloten.de): „Was wäre, wenn alle ARD- und Deutschlandradio-Sender ihre Podcasts in einer App wie ‚NPR One‘ anbieten würden? […] Was für eine großartige Möglichkeit, einmal Gesendetes (und Bezahltes) haltbar zu machen!“

6. „Missliebige Offenlegung“
(taz.de, Anne Fromm)
Ja, das ZDF hat eine Folge der Kabarettsendung „Die Anstalt“ aus der Mediathek gelöscht. Nein, das ist keine Zensur, sondern eine „Frage der Korinthenkackerei“ zweier „Zeit“-Journalisten, wie Max Uthoff es ausdrückt (youtube.com) – eine Darstellung, die Jochen Bittner allerdings zurückweist (twitter.com). Anne Fromm fasst den Streit zusammen und meint: „Das ZDF hat zwar in letzter Zeit Einiges verbockt, steht diesmal aber offenbar ziemlich gut da.“ Stellungnahmen von Bittner und Joffe gibt es bei Telepolis.