„Büld“ kennt sich aus

Es gibt Leute, die halten die morgige „Wetten, dass“-Sendung aus der Türkei für ein Zeichen der Integration und Verständigung und für eine wunderbare Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. Andererseits ist Partner der Sendung die „Bild“-Zeitung und für die ist das Wundbare an Vorurteilen nicht ihre Abbaubarkeit, sondern ihre endlose Wiederaufwärmbarkeit.

„Bild“ also macht heute anlässlich der Veranstaltung ganz viele lustige Witze über „Thümüs Güttschylük“ und „getürkte“ Sendungen und zeigt den Moderator in einer Fotomontage mit schwarzem Schnurrbart, fiesem Goldzahn und einem Fes, der traditionellen Kopfbedeckung der Türken…

…oder genauer: der in der Türkei seit 1925 verbotenen traditionellen Kopfbedeckung der Türken. Kemal Atatürk untersagte das Tragen. Er sah in ihm ein Zeichen der Rückständigkeit und des Feudalismus. Die Abschaffung des Fes ist ein Symbol für den Laizismus und die Modernität des türkischen Staates. Und die „Bild“-Zeitung schreibt in ihrer Ahnungslosigkeit unter den Gottschalk mit Fes: „Nie war er soviel Türke!“

„Bild“ hat „für Thomas Gottschalk“ dann noch einen „Kanakisch-Kurs“ organisiert, den „Kult-Autor“ Michael Freidank „extra für BILD“ geschrieben hat. Das ist nett, und vielleicht hebt Gottschalk ihn sich für die nächste Sendung in Essen, Berlin oder München auf. Denn in der Türkei spricht man selbstverständlich nicht „kanakisch“. In den Worten des „Kult“-Autors selbst:

Diese Sprache ist eine Art Dialekt, die sich in den letzten Jahren rasant ausgebreitet hat und es auch in Zukunft noch tun wird. Er wird in Deutschland gesprochen — und zwar unabhängig von Religionen oder Staatsangehörigkeiten.

Mit Dank an Jörg B. für den sachdienlichen Hinweis.