Die Baupläne von Auschwitz (2)

Davon, dass „Bild“ (links) noch großspurig behauptet hatte, die Baupläne würden „auch die allerletzten Holocaust-Leugner“ widerlegen und eine Gaskammer zeigen, in der „Menschen vergast werden sollten“, steht in „Bild“ (rechts) nichts mehr.

Wäre ja (wie berichtet) auch falsch.

Als „Bild“ die Baupläne (die ihr nach Eigenaussage „zugänglich gemacht“ wurden, laut „Welt“ jedoch von „Bild“ gekauft worden waren) im vergangenen November abdruckte und Nachrichtenagenturen und Medien die ebenso voreiligen, wie eitlen und offensichtlich falschen „Bild“-Behauptungen um die Welt trugen, sagte der renommierte Auschwitz-Forscher Robert Jan van Pelt der jüdischen Nachrichtenagentur JTA:

„Jeder verbreitet denselben Unsinn, und die [Holocaust-]Leugner haben großen Spaß, weil es zeigt, wie leichtgläubig die Leute sind.“

 
Nachtrag, 21 Uhr: Bei der heutigen Eröffnung der von „Bild“ und „Welt“ präsentierten Ausstellung in der Berliner Axel-Springer-Passage wurde die Entlausungsanlange mit „Gaskammer“, um die „Bild“ sträflicherweise noch im November so viel Aufhebens gemacht hatte, mit keinem Wort erwähnt. Robert Jan van Pelt sagte, als er die kleine Ausstellung anschaute, über den Bauplan der Entlausungsanlage: Dies sei „eines der am wenigsten interessanten Exponate der ganzen Ausstellung“.* Seine Frage an „Bild“-Chef Kai Diekmann, von wem und für welche Summe „Bild“ die Pläne gekauft hatte, wollte Diekmann nicht beantworten.

*) Historisch richtig heißt es nun im Begleittext des „Gaskammer“-Plans:

Plan einer Entlausunganlage vom November 1941. Schon in den ersten Plänen für das KZ Birkenau sind zwei Entlausungsanlagen eingezeichnet, mit je einer mehr als hundert Quadratmeter großen Gaskammer. Für die Desinfektion der Kleidung von KZ-Insassen ist das zuviel. Der Plan weist auf den systematisch geplanten Massenmord hin. Denn für die Entlausung der Kleidung von hundertausenden Ermordeter ist die Kapazität richtig berechnet. (…)