Minerva, Gesinnungsterror, Porno

Politische Korrektheit als Gesinnungsterror, ein anonymer Wirtschaftsblogger, Porno-Hysterie und mehr zum irakischen Schuhwerfer. Heute in der Presseschau.

1. „Wenn der Wind über die Türschwelle streicht“
(nzz.ch, Hoo Nam Seelmann)
Ein spannender Bericht aus Südkorea, wo ein anonymer Wirtschaftsblogger die Gesellschaft, die Medien und die Regierung beschäftigt. Lustigerweise ist der anonyme Blogger bereits verlegt, „die gesammelten Beiträge des unbekannten Autors“ liegen in „drei kleinen Bänden als Bücher vor“. – „Zur Prominenz gelangte ‚Minerva‘, weil er bereits im Juli das Überschwappen der amerikanischen Subprime-Kreditkrise auf die koreanische Wirtschaft verkündet, den Untergang von Lehman Brothers und den tiefen Fall der koreanischen Währung Won vorausgesagt hatte“.

2. „Oh, da protestieren ja Journalisten gegen das BKA-Gesetz“
(jensscholz.com)
Jens Scholz schreibt über den Artikel „Anschlag auf die Pressefreiheit“ auf spiegel.de. „Ihr kommt damit doch viel zu spät, ihr Schnarchnasen. Wo waren denn die Leitartikel der aufgebrachten Chefredakteure, wo die Kampagnen, die die Ausmaße des BKA-Gesetzes auseinanderpflückten und die Überwachungswut unseres Innenministers anprangerten als noch was zu reißen war?“

3. „Porno, na und?“
(zeit.de, Martin Gantner)
Martin Gantner beschäftigt sich mit der Porno-Hysterie einiger Medien: „Immer wieder wird der Eindruck vermittelt, Pornografie funktionierte im Netz wie eine Droge. Einmaliger Konsum könne genügen, um in Abhängigkeit zu geraten und um auf eigene perverse Neigungen aufmerksam zu werden, von denen man zuvor nichts wusste. Die Zeitschrift ‚Emma‘ hat in einer ihrer Ausgaben gar einen direkten Zusammenhang zwischen Online-Sexsucht und Pädophilie hergestellt. ‚Das Pornoangebot kann ’normale‘ Nutzer zu Pädophilen machen‘, heißt es in dem Artikel.“

4. „Der Schuhwerfer von Bagdad“
(tagesanzeiger.ch, Astrid Frefel)
Muntazer al-Zaidi testete die Reaktionsfähigkeit des amerikanischen Präsidenten – und sorgte weltweit für Aufruhr. Der Südiraker zeigt auch als Journalist Mut.“

5. „Republik der Rassisten“
(bundblog.derbund.ch, Artur Vogel)
Der Chefredakteur des Bund beschäftigt sich mit der politischen Korrektheit: „Rund um die Fremdenfeindlichkeit, und ganz besonders um die ‚Islamophobie‘, lauern die Hüter der Tabus und die Sittenwächter der politischen Korrektheit. Tabus sind der (hoffentlich vergebliche) Versuch, Phänomene totzuschweigen und damit aus dem kollektiven Bewusstsein zu tilgen. Die politische Korrektheit jedoch ist die moderne Version des guten alten Gesinnungsterrors. Einst wurde er von kirchlichen und weltlichen Herrschenden ausgeübt, um die Untertanen – zwecks effizienterer Unterdrückung – am selbständigen Denken zu hindern, notfalls mit Gewalt. Heute kommt er unter dem Deckmäntelchen der Menschenfreundlichkeit daher, aber mit ähnlichen Folgen für jene, die sich das Denken nicht verbieten lassen wollen: gesellschaftliche Ächtung, Stigmatisierung als ‚Rassist‘ oder ‚Rechtsextremer‘.“

6. „News You Can Lose“
(newyorker.com, James Surowiecki)
James Surowiecki kann nachvollziehen, warum etablierte Medien nicht auf andere Websites linken wollen. Doch im Internet mache diese Herangehensweise keinen Sinn: „Even now, papers often display a ’not invented here‘ mentality, treating their sites as walled gardens, devoid of links to other news outlets. From a print perspective, that’s understandable: why would you advertise good work that’s being done elsewhere? But it’s an approach that makes no sense on the Web.“