Turi, Rohrpost, Tribune, Mumbai

Ein indischer Schriftsteller ist entsetzt über die Ignoranz der westlichen Medien gegenüber indischen Opfern, Keller-Arbeiter Peter Turi wird befragt und die Titanic-Redaktion investiert in Rohrpost-Systeme. Die Presseschau.

1. Interview mit Leo Fischer
(meedia.de, Hilmar Schulz)
Die Satirezeitschrift Titanic hat einen neuen Chefredakteur, den 26jährigen Leo Fischer. In einem Antrittsinterview äussert er sich über den Abgang seines Vorgängers, des 50jährigen Thomas Gsella („Die administrativen Aufgaben, die mit dem Amt des Chefredakteurs einhergehen, waren vielleicht seiner zarten Künstlerseele nicht behaglich. Wahrscheinlich war es auch das viele Geld und die wenige Arbeit, die ihn abschreckte.“) und verspricht eine konsequente Abwendung von den neuen Medien: „Wir haben jetzt eine aufwändige Redaktionsrenovierung hinter uns, haben ein Rohrpost-System legen lassen. Wir wollen weg vom 21. Jahrhundert, zurück in die Zukunft.“

2. „Menschenrechte und Medien“
(fr-online.de, Erik Bettermann)
Der Intendant der Deutschen Welle schreibt über die Veränderung der Medien: „Die Digitalisierung der Informations- und Kommunikationstechnologie und die Entstehung neuer medialer Verbreitungswege, zum Beispiel Weblogs, haben die Möglichkeiten deutlich zugunsten der Menschenrechte erweitert. Die Medienwelt ist demokratischer geworden. Eine Chance für die Bürger, eine Bedrohung für abgeschottete politische Systeme.“

3. „Mafiabegräbnisstimmung“
(taz.de, Adrienne Woltersdorf)
„Die Insolvenz der Tribune Company schockiert die US-Zeitungsbranche. Jeder hat Angst, der Nächste zu sein.“

4. „Alle Toten sind gleich – aber einige sind gleicher als andere“
(jetzt.sueddeutsche.de, Kiran Nagarkar, 2.12.2008)
Der indische Schriftsteller Kiran Nagarkar weilt während den Angriffen auf Mumbai in Deutschland und sieht schockiert zu, wie sich westliche Medien nur für westliche Opfer interessieren „23 Uhr: CNN konzentriert sich ausschließlich auf das Taj, das Oberoi und das Shabad Lubavitch Center, aber erwähnt kaum die sieben oder acht anderen Orte. Dort waren aber auch nur Inder.“ Den Originaltext kann man auf outlookindia.com nachlesen.

5. „Handgemachte Hoffnung“
(blog.zeit.de/zuender-blog, Oskar Piegsa)
„Eine Ausgabe pro Jahr. In einer Auflage unter 100. Und komplett handgemacht. ‚Hoffnung‚ ist eine ungewöhnliche Zeitschrift. Gut so, sagen die beiden Gründer des Magazins.“

6. Interview mit Peter Turi
(an-online.de, Bernd Büttgens)
Peter Turi, Gründer der Website mit dem sperrigen Namen turi-2.blog.de, erzählt die Erfolgsgeschichte seines Branchendienstes: „Mit der Investition und Überwindung, morgens um 5 Uhr aufzustehen – anfangs übrigens ganz alleine – und einen Newsletter bis zum Frühstück fertig zu stellen, kam der Durchbruch. Als ich dann merkte, dass auch die notwendigen Anzeigen zur Finanzierung meiner Arbeit zu kriegen sind, war es klar: Es geht, man kann aus dem Keller heraus eine Branche bewegen.“