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Mit einer Trommel Koks zur WM

Der Spanier Manuel Cáceres, besser bekannt als Manolo „el del Bombo“, ist einer der bekanntesten Fußballfans der Welt. Markenzeichen: Bierbauch, Baskenmütze und natürlich „el bombo“, seine berühmte Trommel. Seit Jahrzehnten ist er bei fast jedem Spiel der spanischen Nationalelf dabei, reist mit dem Team durch die ganze Welt, trommelt, feiert und feuert an.

Doch wenn es nach einer spanischen Internetseite geht, hat Manolo noch ganz andere Qualitäten.

Stolze 100 Kilogramm Kokain soll er bei der Einreise in die USA in seiner Trommel versteckt haben, schrieb das Portal „Pormisbalones.com“ am Wochenende. Und nicht nur das: FBI und CIA seien dem Fan bereits seit 30 Jahren auf der Spur, denn Manolo führe ein Doppelleben und habe jede Weltmeisterschaft genutzt, um Drogen zu schmuggeln. In Wirklichkeit sei der eigentlich so sympathische Trommler „einer der größten und gefährlichsten Drogenhändler“ der Welt. Und jetzt sei endlich die Festnahme geglückt, schrieb das Portal. Manolo drohten 25 Jahre Haft.

Die deutsche Sport-Nachrichtenagentur SID brachte die Meldung Anfang der Woche auch nach Deutschland:

Veröffentlicht wurde die Geschichte unter anderem bei „Zeit Online“, handelsblatt.com, sportal.de, „Focus Online“, haz.de, ran.de, mopo.de, welt.de, spox.com, freiepresse.de, und berliner-kurier.de.

Darin heißt es:

Der spanische Fußball-Verband RFEF hat nach Drogen-Vorwürfen gegen „Oberfan“ Manolo eine Klage gegen ein Internetportal angekündigt. Die spanische Webseite (pormisbalones.com) hatte berichtet, dass Manolo in seiner berühmten Trommel 100 kg Kokain in die USA geschmuggelt haben soll. RFEF-Generalsekretär Jorge Pérez kündigte daraufhin rechtliche Schritt an.

„Dieser Herr transportiert seit 28 Jahren Drogen durch die ganze Welt. Wir haben gewartet, dass er in unser Land einreist“, wurde in dem Bericht unter anderem ein FBI-Agent zitiert.

Warum der Verband gegen die Seite klagen will, wird nicht gesagt. Und was das überhaupt für eine Seite ist — und vor allem: ob an den Vorwürfen gegen Manolo irgendwas dran ist –, erfährt man auch nicht.

Dabei hätte schon ein kurzer Blick auf die Originalquelle Antworten geliefert. Auf „Pormisbalones“ (was im Übrigen etwa so viel heißt wie „Für meine Bälle“) steht nämlich ganz unten:

Todos los contenidos de esta web son ficticios.

… und dafür hätte man nicht mal tiefergehende Spanischkenntnisse gebraucht. Nur eine halbe Minute Zeit und die Fähigkeit, ein Wörterbuch zu bedienen. Der Satz bedeutet: Alle Inhalte dieser Seite sind fiktiv. „Pormisbalones“ ist ein Satire-Portal.

Anders gesagt:

Nein.

Mit Dank an j. und Sarah T.

Nachtrag, 6. Juni: handelsblatt.com, mopo.de, welt.de und berliner-kurier.de haben ihre Artikel gelöscht.