Punkt, Punkt, Punkt

Irgendwie nachvollziehbar, dass die Musiker der Softpopgruppe „Juli“ und ihre Plattenfirma nicht begeistert sind von der „Bild“-Behauptung, sie hätten für ihr neues Lied „Regen & Meer“ ein „Terror-Video“ gedreht. Sowas lässt man sich nicht gerne sagen – zumal dann nicht, wenn es stimmt. (Und da helfen auch keine kurzatmigen Beteuerungen der Bandmitglieder, man würde sich in dem als Kurzfilm gedrehten Videoclip „in keiner Weise“ auf die Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers beziehen. Wer die Geschichte und das Video kennt, dürfte das anders sehen.) Das vorweg.

Andererseits ist die Empörung der Popgruppe nicht nur irgendwie nachvollziehbar, sondern – wenn man sich den „Bild“-Bericht vom vergangenen Mittwoch genauer anschaut – auch irgendwie berechtigt. In „Bild“ hieß es nämlich über das „Terror-Video“ „Terror-Video“:

Der geschmacklose Inhalt: Die Bandmitglieder entführen einen Bankdirektor (gespielt von Oliver Korittke), laden ihn in einen Mercedes, fesseln ihn ...

Und unmittelbar im Anschluss an die (mit drei harmlosen Punkten) abgebrochene Nacherzählung schrieb „Bild“ weiter:

Das filmische Werk zeigt auffällige Parallelen zum "Deutschen Herbst" 1977: In dem Jahr entführten RAF-Terroristen Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer (...), hielten ihn wochenlang gefangen – und ermordeten ihn.

Was „Bild“ jedoch komplett verschweigt: Die auffälligen Parallelen zum „Deutschen Herbst“ 1977 enden in dem „makabren Video“ ungefähr dort, wo auch „Bild“ ihre Nacherzählung abbricht… Hernach mündet die fiktionale Handlung des Clips (anders als die Schleyer-Entführung) nicht in die Ermordung des Opfers, sondern im Gegenteil in dessen Befreiung, die Entführer werden festgenommen…

Hätte „Bild“ also geschrieben, das filmische Werk zeige deutliche Unterschiede zum „Deutschen Herbst“ 1977 – es hätte genauso gestimmt.

Mit Dank an Christian L. für die Anregung.