B.Z., Bild  

Die „Russen-Panzer“ und der Schuss in den Ofen

Erinnern Sie sich an die große Petition, die „Bild“ und „B.Z.“ gestartet hatten, um die „Russen-Panzer“ loszuwerden, die am sowjetischen Ehrenmal in der Nähe des Brandenburger Tors stehen?

Die „B.Z.“ hatte dafür unter anderem auf ihrer Titelseite getrommelt; die „Bild“-Zeitung hatte ihre Seite 2 freigeräumt — und am nächsten Tag an derselben Stelle stolz über die „große Zustimmung“ berichtet, die die Aktion erfahren habe: „Viele Bundesbürger“ hätten unterschrieben.

Stolz wurden prominente und nicht-prominente Unterstützer gezeigt (Wolfgang Joop! Erika Steinbach!). „Bundesliga-Legende“ Charly Körbel unterschrieb, weil er „solche Aktionen mit Panzern in Deutschland nicht sehen will“. Die „B.Z.“ präsentierte den „ersten“ (von mutmaßlich vielen noch zu erwartenden) Bundestags-Abgeordneten, der unterschrieben hatte.

Das war, wie gesagt, Mitte April. Was ist daraus eigentlich geworden? Wie groß wurde die Welle der Zustimmung noch? Welche Wucht entwickelt eine Petition, die in größter Aufmachung und inklusive eines fertigen Vordrucks von zwei Zeitungen angeschoben wird, die gemeinsam angeblich über 12 Millionen Leser täglich erreichen?

Die Antwort lautet: 4101.

4101 Menschen haben die Petition von „Bild“ und „B.Z.“ unterschrieben. 118 online, 3983 offline. Die Mitzeichnungsfrist endete schon am 21. Mai.

Ausweislich ihrer Online-Archive haben beide Blätter über den Fortgang und Ausgang ihrer Petition kein Wort mehr verloren.

Auf meine Nachfrage (für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“), warum das so war und wie man sich die geringe Resonanz auf eine so große Aktion erklärt, antwortete die Pressestelle, mit Bitte um Verständnis:

Alles, was wir über eigene Aktionen zu berichten haben, verhandeln wir auch im eigenen Blatt.

Wenn eine politische Leser-Aktion misslingt, hat sie für „Bild“ und „B.Z.“ also einfach nicht stattgefunden. Aber immerhin hat man nun mal eine Ahnung, was „Bild“ meint, wenn „Bild“ von „vielen Bundesbürgern“ und „großer Zustimmung“ spricht. Konkret also: weniger als 0,35 Promille der Leserschaft.