WM-Maskottchen Fuleco verarscht

Mensch, diese Fifa schon wieder. Kaum steht die Fußball-WM vor der Tür, leistet sie sich die nächste „Blamage“ (Welt.de). Einen „peinlichen Fehlgriff“ (stern.de). Einen „Fauxpas“ (oe24.at). Eine „unnötige“ (mopo.de) und „verheerende“ („RP Online“) „Panne“.

Es geht um den Namen des Maskottchens. „Fuleco“ heißt das Vieh Gürteltier, wie seit November 2012 bekannt ist. In einer mehrmonatigen Abstimmung hatten zuvor fast zwei Millionen Brasilianer über den Namen abgestimmt. „Fuleco“ setzte sich als klarer Sieger gegen die beiden anderen Vorschläge durch. Laut offizieller Fifa-Erklärung ist das Wort „eine Verschmelzung von ‚futebol‘ (Fussball) und ‚ecologia“ (Umweltschutz)“.

Die „Welt“ weiß es aber besser:

Außerdem – und das mag die Fifa nicht gewusst haben – existiert das Wort „Fuleco“ in der brasilianischen Umgangssprache bereits und heißt nichts anderes als … Arsch. Tja, nun ist es raus.

Fifa-Blamage - Das Maskottchen der Fußball-WM 2014 heißt "Arsch"

Das ließen sich die anderen nicht zweimal sagen:
Gürteltier "Fuleco" - Namenspanne! Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"(mopo.de)

Kugelgürteltier "Fuleco" - Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"(stern.de)

Fauxpas - Peinlich! WM-Maskottchen heißt "Arsch"(oe24.at)

WM 2014 - Peinliche Panne: WM-Maskottchen Fuleco heißt „Arsch“(tt.com)

Fußball / WM 2014 - WM-Maskottchen heißt "Arsch"(sport1.de)

Fussball-WM 2014 - Maskottchen „Fuleco“ – der „Arsch“(shz.de)

Gürteltier "Fuleco" - Namenspanne! Das WM-Maskottchen heißt "Arsch"
(express.de)

Peinliche Panne in Brasilien - "Arsch" ist das Aushängeschild der Fußball–WM(„RP Online“)

Peinliche FIFA-Panne - Brasiliens WM-Maskottchen heißt "Arsch"(n24.de)

Wir machen es kurz: Das ist alles Unsinn. „Fuleco“ heißt nicht „Arsch“. Bis vor Kurzem existierte das Wort im Sprachgebrauch nicht einmal.

Der Journalist Dietmar Lang, der seit zehn Jahren in Brasilien lebt und laut eigenen Angaben weder im beruflichen noch im privaten Umfeld „jemals nur im entferntesten“ gehört hat, „dass der Name ‚Fuleco‘ negativ besetzt ist oder sein könnte“, hat das in einem Blogeintrag ausführlich erläutert. Ein anderer Journalist aus Brasilien hat uns unabhängig davon das Gleiche geschildert: Das Wort bedeute keineswegs „Arsch“ und tauche — wenn überhaupt — erst seit der Vorstellung des Maskottchens hin und wieder auf.

Auch in den Kommentaren bei Welt.de regte sich gleich Widerspruch:meine Frau ist Brasilianerin, sie meinte das stimmt nicht, Fuleco bedeutet gar nichts, ist kein Wort aus Brasilien...und sie muss es ja wissen... Als Brasilianerin finde ich äußerst peinlich, dass ein solcher Text ohne Recherche veröffentlicht wird. Fuleco existierte bis 2012 nicht in unserer Sprache, damit meine ich auch die Umgangssprache. Ich bin Brasilianer und kenne das Wort "Fuleco" nicht. Falls es "Arsch" bedeuten sollte, muss es regional sein, denn viele von uns kennen es nicht.

Wie kommt die „Welt“-Autorin also darauf, dass die Vokabel „im Brasilianischen schon besetzt“ war (ergo: peinliche Blamage für die Fifa)? Eine Quelle für diese Behauptung gibt sie nicht an.

Vielleicht hat dieser Eintrag in einem portugiesischen „Urban Dictionary“ etwas damit zu tun. Dort ist nämlich in der Tat zu lesen, „Fuleco“ bedeute „Arsch“. Doch der Eintrag wurde exakt an dem Tag veröffentlicht, an dem auch die Namenswahl verkündet wurde. Dietmar Lang schreibt:

Ein schlechter Scherz, ein Hoax, den im Land des fünffachen Weltmeisters keiner ernst genommen hat – zumal auf besagter Seite weitere 53 zweifelhafte Definitionen nachzulesen sind. Auch die brasilianischen Medien haben eine mögliche Zweideutigkeit nie aufgegriffen.

Inzwischen sind auch einige deutschen Medien nicht mehr ganz so überzeugt von dem, was sie zuvor noch munter nachgeplappert hatten. Die „Huffington Post“ hat unter ihrem Artikel einen Nachtrag veröffentlicht, in dem sie mit Verweis auf Langs Blogeintrag einräumt, dass „Fuleco“ „offenbar doch nicht ‚Arsch'“ bedeute. Bei Bild.de haben sie ihren ursprünglichen Artikel („Au, Backe! WM-Maskottchen heißt ‚A….'“) lieber gleich ganz gelöscht. In einem neuen Artikel („Wirbel um Namen von WM-Maskottchen“) stellen sie nun fest, dass „ziemlich viel Verwirrung“ geherrscht habe, freilich ohne zu erwähnen, dass auch sie ziemlich viel verwirrt waren.

Die „Welt“-Autorin wehrt sich jedoch gegen die Kritik und beharrt weiterhin auf ihrer Version:

Das Wort „Fuleco“ hatte schon zu Zeiten der afrikanischen Sklaven in Brasilien eine Bedeutung. Weil sie das R zwischen Vokalen nur schwer aussprechen konnten, sprachen sie es wie L (s.g. lambdacismo). Deshalb wurde aus dem Wort Furo (Loch) das gesprochene Wort Fulo. Das Suffix „eco“ wird in der brasilianisch/portugiesischen Sprache auch als Verkleinerungsform genutzt. Aus Fulo + eco wurde Fuleco, um „kleines Loch“ zu sagen. Das war mir als Erklärung in der Kolumne aber zu viel des Guten, weswegen ich es nur wie im veröffentlichten Text beschrieben habe.

Sie fügt noch eine Textstelle auf Portugiesisch als „Quelle“ an, die aber lediglich erklärt, warum aus „furo“ „fulo“ wurde („Lambdazismus“). Alle anderen Behauptungen belegt sie nicht.

Und selbst wenn die Geschichte stimmt: Wie aus dem „kleinen Loch“ der „Arsch“ und letztlich die große „Fifa-Blamage“ wurde, hat sie damit immer noch nicht erklärt.

Mit Dank an Marcelo S.