„Bild“ sind immer noch Papst

Papst Benedikt XVI. hat den exkommunizierten Bischof Richard Williamson, gegen den wegen Holocaust-Leugnung ermittelt wird, wieder in die Kirche aufgenommen. Williamson hat die Existenz von Gaskammern bestritten und behauptet, während der Naziherrschaft seien nicht sechs Millionen Juden umgebracht worden, sondern rund 300.000. Jüdische Organisationen sind dementsprechend schockiert und kritisieren die Entscheidung des Papstes scharf.

Die Nachricht, dass der Papst einen Holocaust-Leugner rehabilitiere, betrifft zwei Kernkompetenzen der „Bild“-Berichterstattung:

  • Papst
  • Juden

Zum einen hofiert „Bild“ den Papst bekanntlich wie kein zweites Medium und informiert die Leser akribisch per „Vatikan-Sonder-Korrespondent“ wenn Benedikt „aus der Sommer-Residenz“ grüßt, „viele Krippen sehen“ will, „einen flauschigen Koala“ streichelt oder auch darüber, was für ein „überwältigendes Gefühl“ es sei, „vor ihm zu knien, den Fischerring zu küssen“. Zum anderen ist der „Bild“-Zeitung das „Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen“ per Unternehmensgrundsatz verordnet – den „Bild“ manchmal zu ernst zu nehmen scheint.

Die Herausforderung, mit der aktuellen Papst-Juden-Nachrichtenlage umzugehen, nahm die „Bild“-Zeitung gestern an, indem sie, wie auch andere Medien, auf der Titelseite darüber berichtete – allerdings etwas kleiner als andere Medien:

"Vergebung für Ex-Bischof"

Und heute, da viele Medien noch einmal über die umstrittene Entscheidung des Papstes berichten, berichtet natürlich auch „Bild“ über den Papst – wieder auf der Titelseite:

"Papst reist nach Afrika"

Mit Dank an Michu B. für die Anregung.